Blenheim Vineyards: Bei Dave Matthews kommt Kunst von Können!

Die Erkenntnis, dass Kunst von Können kommt, hat uns der deutsche Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche hinterlassen. Den Beweis für die Richtigkeit findest du nur 15 Fahrminuten von Charlottesville und Thomas Jefferson´s historischen Landsitz Monticello bei Blenheim Vineyards!

In diesem Beitrag kann Werbung enthalten sein, selbst dann, wenn keine Werbekooperation oder anderweitige Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen stattgefunden hat. 

Und die Kunst empfängt dich hier dreifach: Das Weingut gehört Dave Matthews, der mit seiner Band ein in den USA sowie international sehr erfolgreicher Musiker ist und auch die Etiketten seiner Weinflaschen selbst malt und kreiert. Und vor allem: Die Weine sind richtig gut! Hier zeigt sich die ganze Kunst der Weinmacherin Kirsty Harmon, die Weine in die hübschen Flaschen zaubert, die für uns ganz klar Top Liga sind: Mit einem klar eigenen Stil und Substanz, sehr gut verträglich für jeden, aber mit den richtigen Ecken und Kanten, die charaktervolle Gewächse zu dem machen, was sie sind. Hier haben sie Dave dann offenbar richtigerweise nicht rangelassen 😉

Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße es Wulst.“, so lautet übrigens das vollständige Zitat von Nietzsche. Am Ende des Blogs erfährst du, was er mit dem zweiten Teil gemeint haben würde 😉

Schon die kurze, teils angenehm schattige Anfahrt durch viel Wald zum Winetasting bei Blenheim Vineyards war ein Genuss. Die Landschaft ist richtig schön und lieblich, grün mit gefälligen, sanften Hügeln. Der äußere Eindruck ist angenehm unspektakulär und bodenständig; hier nimmst du direkt an, dass handwerklich gut gearbeitet wird.

Die Sonne und die Natur genussreich genießen kannst du ganz entspannt im Außenbereich des Weinguts.

Bereits in dem kleinen, zeltüberdachten Bereich zwischen dem weißen Schuppen und dem Verkostungsraum empfängt dich die visuelle Kunst des Besitzers.

Innen erwartet dich ein entzückender Verkostungsraum, der mit seiner schlichten, hohen Giebeldach-Konstruktion und dem beherrschenden Holz eine anheimelnde Atmosphäre schafft.

Wenn du über die Balustrade durch den Glasboden nach unten schaust, siehst du den Reifekeller mit den Stahltanks und Barriques – so ein „Weinkeller“ gibt ein beruhigendes Gefühl 😊

Nicht nur von dem ca. 4 Meter über dem Boden schwebenden Holzbalkon hinter der Glasfassade hast du einen grandiosen Blick über die Reben und den gepflegten Rasen, die typische rote Erde und die sanften Geländewellen und die Weite des blauen Horizonts mit weißen Schäfchenwolken. Traumhaft! Hier lässt sich Wein genießen.

Und das haben wir getan: Der erste Probierer im „Flight“ war der Sauvignon Blanc 2018.

Sortenrein und nicht aus dem Holz, hat der Wein trotzdem was dahinter: Nach seiner zurückhaltenden Nase wird er am Gaumen richtig präsent mit Aromen von Grapefruit, Zitrone und einem Hauch von Pfirsich. Ein angenehmer Sommerwein mit Substanz!

Auch der zweite Weiße bestätigte uns, dass hier richtig gut und mit Substanz statt Spanholzfassade gearbeitet wird. Auf den „Painted White“ 2017 war Betina natürlich besonders gespannt, da die Cuvée überwiegend aus Viognier besteht, nämlich 41% sowie 32% Sauvignon Blanc und 27% Chardonnay. Die 9 Monate Holzreifung merkt man dem Wein überhaupt nicht an, er ist gleichwohl unheimlich rund und weich, hat richtig Frucht: Aprikose, ein bisschen Grapefruit und geröstete Apfelnoten. 

Total spannend fand Betina, in der Nase zunächst gereiftem Gouda zu finden und dann den gebackenen Apfel. Mit wenig Säure hat uns dieser Wein extrem viel Spaß gemacht und war der erste Weiße auf unserer Virginia-Rundreise, bei dem Betina spontan sagte: „Wow, das ist mein Wein!“

DER Sommerwein ist natürlich der Rosé Jahrgang 2018, eine Cuvée aus 48% Cabernet Franc, 31% Merlot und 21% Pinot Noir. Letzteres merkt man in diesem Wein nicht, obwohl Betina sehr sensibel für das Mandelbittere des Spätburgunders ist. Cranberry, etwas Tannin, die versprochene Himbeere kommt zwar, aber nur dezent am Ende, und Pink Grapefruit sind die dominierenden Noten in diesem Wein, der zwar nicht in der Farbe, aber am Gaumen sehr präsent ist. 

„Red Snapper vom Grill“, fiel Burkhard spontan als passender Begleiter zu diesem Rosé ein, der auch gerne stand alone getrunken werden kann. Die nette Dame vom Tastingroom fragt allerdings immer nach Kartoffelsalat – nun, man kann auch beides kombinieren 😊

An diesem Beispiel hat sich eine Erkenntnis über den Jahrgang 2018 abgezeichnet, über die dir in einer der nächsten Folgen unsere Podcast-Kollegin und Sommeliére Erin Scala ausführlich erzählen wird. Dieses Jahr war so extrem verregnet, dass in der Region nur ganz wenig Rotwein ausgebaut werden konnte, weil die Reben einfach nicht dafür getaugt haben. Dafür wurde sehr viel Rosé aus diesen gemacht, die aber sehr präsent sind.

Der erste Rote, ein Cabernet Franc 2017, hat schon durch seine dichte Farbe bestochen. Dieser Jahrgang war supertrocken, die Trauben konnten so viel länger reifen. Genauso, hat man uns erklärt, sollte ein Cabernet Franc aus Virginia schmecken:  Mit einer gewissen Frucht, aber vor allem nach schwarzem Pfeffer! In verregneten Jahren sind die Pfeffernoten – logisch – grün, also unreif.

9 Monate im Holz geben dem Wein einen tollen Rahmen, leichte Fruchtnoten und ein bisschen Tabak zeigen sich, aber der schwarze Pfeffer dominiert deutlich. Perfekt zu einem Steak vom Grill! Schön: Die Frucht ist ganz klar und gar nicht marmeladig, mit wenig Säure und leicht gekühlt auch ein schöner Terrassen-Roter!

Der „Painted Red“ 2017 hat nicht nur ein weiteres schönes, von Matthews selbstgemaltes Etikett, sondern mit seinen deutlichen Tanninen und auch wieder wenig Säure das Zeug zu einem großen Rotwein. Die Cuvée aus 47% Cabernet Franc, 34% Merlot, 13% Petit Verdot und 6% Pinot Noir duftet  und schmeckt nach Zeder, mit einem Hauch harziger Noten und Pflaume. Burkhard fand faszinierend, dass in Nase und am Gaumen der Mini Anteil Pinot Noir ganz deutlich präsent ist.

Insgesamt trotz klarer konturierter Tannine ist der Wein keine Wuchtbrumme, sondern künstlerisch filigran mit ein paar würzigen Noten – sehr spannend!

Insgesamt haben wir mit Blenheim Vineyards ein Weingut entdeckt, das für uns ganz klar zur Top Liga in Virginia zählt: Mit einem klaren, eigenen Stil. Die Weine mäandern nicht rum, sondern wissen, wo sie hinwollen. Sie haben tragfähige Substanz und sind sehr gut verträglich für jeden, trotzdem nicht mainstreamig, zart und weich, aber mit Ecken und Kanten, die Weingenuss erst interessant machen. Trotzdem kannst du jederzeit auch einfach ein Picknick packen und eine Flasche ohne stundenlanges Philosophieren darüber einfach genießen.

Bodenständig und ehrlich, mit dem Herz auf dem rechten Fleck – diesen Eindruck haben wir von Blenheim Vineyards gewonnen. 

Hier Betina mit der Künstlerin im Keller, General Manager & Winemaker Kirsty Harmon.

Ein Grund, warum wir dieses Weingut unbedingt auch besuchen wollten, ist, dass der Besitzer Dave Matthews mit seiner Band in den Vorwahlen des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 den Senator aus Vermont, Bernie Sanders, unterstützt hat. Das fanden wir sympathisch, und deshalb wollten wir wissen, was die Weine können.

Naja, das volle Kontrastprogramm in jeder Hinsicht haben wir nur eine halbe Meile entfernt erlebt: Auf dem Weg zu Blenheim liegt die Trump Winery, die wir eigentlich auch rechts liegen lassen wollten.

Die rein journalistische Neugier hat uns dann doch dazu gebracht, hier mal kurz hereinzuschauen, obwohl wir zuvor nicht gehört hatten, dass dort hervorragende Weine produziert werden -nun gut, immerhin eine Kontinuität zur Politik…

Es war so, wie wir es uns vorgestellt hatten: Der an ein Bierzelt erinnernde Außenbereich war mit Kronleuchtern behängt, 

Wir haben nur einen Viognier probiert, der uns direkt bestätigt hat, dass der Wein wie die Politik des Herrn Trump ist. Die Nase war zwar noch einigermaßen ok, aber der Geschmack geschmacklos, viel zu viel Säure – schwer verträglich eben. Viel Fassade, aber nix dahinter; nach diesem einem Schluck haben wir den Tasting Room schnell wieder verlassen.

Um abschließend nochmal Friedrich Wilhelm Nietzsche zu bemühen: Bei Trump Winery zeigt sich, dass aus reinem Wollen niemals Kunst werden kann. Hier kommt Wulst von Wollen.

Immerhin ist auch da die Landschaft malerisch schön. Aber dafür kann Herr Trump ja nichts.

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