Boutique-Hotel und Bodega-Restaurant: Zwei Genussadressen im Rioja Alta

Nachdem wir uns im Rioja Alavesa (im oberen Gebiet des Ebrobeckens nördlich vom Fluss) umgesehen hatten, haben wir den Ebro überquert und sind noch weiter ins südlichere Rioja getourt, das Rioja Alta. Wir wollten mal sehen, wie sich die Unterregionen des Rioja unterscheiden, denn nicht nur die Landschaft, auch die Weine sind sehr unterschiedlich und weisen insgesamt eine Bandbreite von fetten Blockbuster-Weinen bis hin zu langjährig gereiften „Florett“-Schätzchen, die du dir aufgrund ihrer eleganten Komplexität erst erarbeiten musst.

Wir sind auch einmal durch das größte Teilgebiet, das Rioja Baja im unteren Gebiet des Ebrobeckens, gecruist, wo du viel rote Erde und große Weingüter mit bekannten Namen wie Baron de Ley siehst. Im Rioja Alta, das im oberen Gebiet des Ebrobeckens südlich des Flusses liegt, wird u.a. auch Korn angebaut und die Farbe des Bodens ist eher braun.

Foto Quelle: https://realcasonadelasamas.com/

Für ein paar Tage Chillen hatten wir uns ein wunderschönes Boutique-Hotel in einem dreihundert Jahre alten kleinen Palast ausgesucht, das Hotel Boutique Real Casona de las Amas. Direkt nach dem Interview-Termin bei der Bodegas Baigorri (kannst du in Podcastfolge 098 hören) sind wir in das wirklich kleine Örtchen Azofra gefahren und waren ganz gespannt auf die alten Mauern.

Schon beim Betreten des Eingangsbereichs empfangen dich prägende Elemente des Hauses: dunkelbraunes Holz, alter Stein und warmes Licht – du empfindest sofort eine heimelige Atmosphäre. Es gibt nur wenige Zimmer, die in mehreren Gebäudetrakten einen großen Innenhof umschließen.

In dem mit schweren, verzierten Holzmöbeln und unterschiedlichen Kunststilen sehr stilvoll eingerichtetem Bar-; Bibliothek- und Frühstücksbereich bekommst ein ordentliches Frühstück am Morgen. Mehr gibt es leider aktuell nicht; eine Küche ist vorhanden, aber kein Restaurant-Betrieb mehr.

Im Innenhof – eher ein Mini-Innenpark – kannst du auf einer schönen Terrasse unter freiem Himmel oder geschützt unter einem großen Pavillon essen oder lesen. Riesige Lavendelbüsche ragen hinein und verströmen einen betörenden Duft.

Der kleine Salzwasser-Pool war noch sehr frisch von der Temperatur her, da der Sommer im Rioja tatsächlich erst ein paar Tage zuvor Einzug gehalten hatte. Es hat auch ab und an geregnet, aber wir konnten auch die kleine Sonnenterrasse im Hintergrund mit Bier, Buch und Badekleidung genießen 😊 Im Haus befindet sich außerdem ein SPA Bereich, auch Massagen kannst du bekommen. Die ganze Anlage ist von den Gebäueteilen bzw. begrünten Mauern umgeben, so dass du dich wirklich in einem kleinen, chilligen Refugium befindest.

Durch Azofra geht der Jakobsweg, so dass viele Pilger durch den Ort kommen bzw. hier auch übernachten. Um die Ecke des Hotels befindet sich auch eine Herberge; Punkt 12 Uhr mittags hörst du von deren Lautsprecheranlage eine kurze Ansage an die im Ort befindlichen Jakobsweg-Gänger.

Da es schon später war und wir nach dem intensiven Tag deutlichen Hunger verspürten, haben wir die netten Jungs an der Rezeption gefragt, wo wir denn hier im Ort noch etwas essen können, Sie haben uns das näher am Hotel gelegene „Restaurant“ als das etwas bessere der beiden im Ort empfohlen. 

###Achtung: Keine Bilder der folgend beschriebenen Lokalitäten oder der maximal als Sättigungsrationen bezeichenbaren Teller!###

Die selbst gewählte Bezeichnung „Restaurant“ ist mehr als maßlos übertrieben. Namen nennen wir hier nicht, aber wer Google Maps bedienen kann, wird unsere Warnung verstehen.

Das war das absolut schlechteste Essen, was wir jemals auf den (Plastik-) Teller bekommen haben! Der sog. „Reis mit schwarzen Bohnen im kubanischen Stil“ war eine Pampe mit dunklen Flecken und hatte mit diesem Gericht, was wir auf Kuba im Original kennen- und schätzen gelernt haben, soviel zu tun wie Fußpilz mit Steinpilz und schmeckte auch eher nach ersterem. Als dann das Fleisch kam, waren wir restlos bedient: Ein grauer Fetzen totes Huhn schwamm in eine Fettmasse, von der wir direkt vermuteten, dass die Wirtin bei ihrem 20 Jahre alten Seat erstmals einen Ölwechsel hat vornehmen lassen und das Abfallprodukt in der Küche weiter verwendet hat… Wir haben dieses Zeug direkt zurückgehen lassen und die Rechnung bestellt. Immerhin hat die Wirtin nur die Vorspeise berechnet, von der wir ja tatsächlich ein paar Gabeln genommen hatte.

Also sind wir hungrig in den nächstgrößeren Nachbarort Najera gefahren. Dort tobte zwar das Leben auf den Straßen und in den gastronomischen Einrichtungen. In einer Bar haben wir Patatas bravas bestellt und uns auf röstige Kartoffeln mit einer schönen Aiolli gefreut. Erreicht hat uns eine Schüssel Kartoffelwürfel, die 1:1 in Ketchup und nackter Mayo ersoffen waren. 

Unser Fazit: Nemals in Azofra essen, um Najera kannst du einen Bogen machen. Wenn du im Real Casona de las Amas wohnen willst, musst du also auf jeden Fall einplanen, abends irgendwohin zum Essen zu fahren, was aber bei den gemütlichen Sträßchen sowie der (nicht hörbaren) Schnellstraße kein Problem ist.

Als wir am nächsten Morgen den Jungs an der Rezeption ein freundliches, aber deutliches Feedback zu unserer Erfahrungen des Vorabends gegeben haben, erkannten sie offenbar, auf welcher Flughöhe wir kulinarisch unterwegs sind. Alle weiteren Empfehlungen, die wir ab dann bekommen und ausprobiert haben, waren wirklich gut bis wirklich sehr gut!!!

Den ersten Tipp verraten wir dir heute: Das grandiose Restaurante „Vieja Bodega“ in Casalarreina, ca. 20 Autominuten von Azofra entfernt. Den „Bib Gourmand“ von Michelin mit der Empfehlung „Sorgfältig zubereitete Produkte, eine moderate Rechnung, eine frische Küche mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis“ können wir persönlich mehr als bestätigen!

Das Restaurante in einer ehemaligen Weinkellerei hat einen großen Innenraum, in dem dunkle Holzbalken und -Stühle und die Natursteinwände, farblich stimmige glänzende Fliesen und helles, aber gemütliches Licht die gediegen dekorierten Tische umgeben. Außerdem gibt es noch einige Nebenräume.

Als Gruß aus der Küche kam ein marinierter Thunfisch mit Joghurtsauce, ein frischer Starter. Das hellere Öl im Bild war ein Bio-Olivenöl von wunderbarer Filigranität!

Zur Vorspeise hatten wir uns für Artischockenherzen getoppt mit Foie gras auf  Steinpilzen. Zart, zarter, am zartestens war dieser Gang – einfach megalecker

Betina´s Hauptgang waren butterzarte Rinderbäckchen in Rotwein gegart mit Kartoffelstampf und Zucchini in Olivenöl. Sehr stilvoll, aber kein Chi-Chi und passend zur Location rustikal-fein.

Auch Burkhard ist heute noch begeistert von der mit Niedertemperatur gegarten Lammschulter, die im Finish im Ofen à point knusprig geschmort war. Das Fleisch innen ebenfalls butterzart, die Kruste außen aber kross und knusprig – eine sehr gelungene Aromen- und Texturkombination.

Wir hatten uns an diesem Abend für einen Rosé entschieden, einer Cuvée aus Grenache und ein bisschen Viura. Elegantes Lachsrosa, eher südfranzösischer Stil als Navarra-Kracher, mit Aromen von süßen roten Äpfeln und Walderdbeeren, keine Säure und trotzdem frisch. Der Wein hat gut mit unseren Gängen harmoniert.

Die nette Servicefee, die auch etwas deutsch sprach, hat uns noch den Weinkeller gezeigt. Eine richtig lange enge Treppe führt hinab ins Dunkle. Zum Glück für die Beschäftigten gibt es einen „Wein-Lifta“, denn sonst wäre das eine wirkliche Schlepperei…

In dem langen Gewölbegang unter dem großen heutigen Gastraum lagern zahlreiche Flaschen perfekt temperiert, auch richtig alte Schätzchen.

Fazit: In Restaurante „Vieja Bodega“ konnten wir das, was du im Rioja (fast) überall tun kannst: Nämlich richtig gut essen! Eine schöne Wiedergutmachung zu…naja, da weißt schon was.

Wer etwas über althergebrachte Salzgewinnung erfahren möchte, ist in Gesaltza Añana / Salinas de Añana (so heißt das ganze Örtchen) richtig. Das war für uns ein halber Tagesausflug von Azofra aus zurück ins Alavesa.

Ein ganz kleines, schnuckeliges Örtchen lebt hier von einer wichtigen Grundzutat jeder guten Küche. 

Sicher ist die gegen Eintrittsgeld erhältliche Führung durch die Salzbecken eine interessante Sache. Wir hatten jedoch nicht wirklich Lust darauf und uns stattdessen die Terrasse des Restaurante Palacio de Añana aufgesucht. Leider war die Küche mittags schon zu, so dass wir mit einem Espresso sowie einem kühlen Weißwein und ein paar Oliven vorlieb genommen haben.

Die stark von Einheimischen frequentierte Bar hat einen guten Eindruck auf uns gemacht. Und die Terrasse ist die „etwas andere Aussichtsplattform“ auf die Salzbecken, die nur durch die Straße vom Restaurant getrennt sind. 

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