ProWein Special: Genussreiche und Histamin-geprüfte Weine – Teil 1

Wir haben im März 2019 die weltgrößte Weinmesse „ProWein“ in Düsseldorf besucht. 

Julia Klöckner auf ihrem Eröffnungsrundgang

Die 25. Jubiläums-Ausgabe wurde von der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner, eröffnet; hier beim Messe-Rundgang gegenüber vom Stand unseres ersten Interview-Termins.

Denn wir berichten heute über ein ganz spezielles Thema bei Wein. Ein Hangover am Tag danach oder Probleme schon beim Weingenuss müssen nämlich nicht immer nur mit der Alkoholmenge zusammenhängen, es kann auch eine Histamin-Unverträglichkeit sein! Und eine solche kann viele Symptome wie verstopfte Nasen bis zu Asthma-Anfällen auslösen. 

Deshalb haben wir die ProWein gezielt nach Winzern durchforstet, die histamingeprüfte Weine anbieten. Heute stellen wir dir drei deutsche Weingüter vor, in den folgenden beiden Beiträgen gehen wir nach Österreich, wo sich nach unserer momentanen Einschätzung deutlich mehr Winzer mit dem Thema befassen.

Wenn du weißt, dass du ein Histaminproblem hast, dann ist unsere 🎧Podcastepisode 092 und die folgenden zwei das absolut Richtige für dich! Gemäß einer EU Verordnung von 2015 sind „gesundheitsbezogene Angaben“ wie „histaminarm“ oder „histaminfrei“ bei Wein generell verboten. Für Histamingeplagte ist es deshalb schwierig, entsprechende Weine zu finden. Aber es gibt Möglichkeiten! Du hörst aufschlussreichen Interviews mit den Winzern und die gustatorischen Beschreibungen ihrer Weine, die vielleicht auch dir wieder zu (mehr) Weingenuss verhelfen können!

Vielleicht kommen dir aber auch manche Symptome nach dem Anhören bekannt vor und du denkst mal drüber nach, dich testen zu lassen, um mit einem bewussten Umgang wieder mehr Lebensgenuss zurückzugewinnen. 

Wichtiger Hinweis! Wir bieten hier keine wissenschaftliche oder medizinische Abhandlung und können keinerlei Beratung oder Empfehlung geben. Wir waren lediglich auf Suche nach Winzern, die „histamingeprüfte“ bzw. analysierte Weine anbieten. Wie die bei dir wirken können, auch in Kombination mit Speisen, dafür können wir keinerlei Verantwortung übernehmen. Wenn du Weine der interviewten Winzer probieren willst, taste dich immer sehr vorsichtig heran, wenn du weißt, dass du histaminintolerant bist bzw. eine Histaminunverträglichkeit hast. Im Zweifel frage deinen Arzt oder Apotheker, es gibt Tabletten, die helfen können. Befasse dich selbst intensiv mit dem Thema, notfalls musst du leider beim Weinverzicht bleiben!

Hier findest du weitere Informationen zum Thema Histamin & Wein:

Deutsche Weinakademie Histaminintoleranz.ch

Das Bioland Weingut Stefan Kuntz im pfälzischen Mörzheim bei Landau hat sich aufgrund einer Betroffenheit in der Familie mit der Thematik befasst und einen Teil seiner Weine auf Histamin analysieren lassen.

Die Linie „Leichtsinn“ (Chardonnay, trockener und halbtrockener  Riesling, Muskateller-Secco) wäre aus Sicht des Winzers eine Option, um wieder Weingenuss haben zu können. Die teils mit 10 oder 10,5 Vol.% auch alkoholisch leichten Weine sind sehr schnell und sauerstoffarm ausgebaut. Für Stefan Kuntz mögliche Einstiegsweine für Histamingeplagte; wenn die nicht vertragen werden, dann ist die Intoleranz wirklich heftig. Rückmeldungen von ca. drei Viertel seiner diesbezüglich sensiblen Kunden hätten aber ergeben, dass ein bis zwei Gläser wieder genossen werden können.

Der Chardonnay ist in der Nase duftig fruchtig, im Mund eher würzig und anhaltende Präsenz, kein überladener und nicht im Holz ausgebauter Wein. Unsere Empfehlung: Passend zu Kalbfleisch oder kräftigeren Fischen.

Seinen Roten aus der „Leichtsinn“-Linie, eine Cuvée aus Portugieser, Regent und Dornfelder, bezeichnet Stefan Kuntz selbst als „Kaffeehausroter“. Das ist in der Tat ein ganz leichter, fruchtiger und feinherber Wein, der in der Pfalz eben nach dem Nachmittagskaffee gerne als „Verlängerung“ getrunken wird.

Das rheinhessische Weingut Schales befasst sich bereits seit Jahrzehnten mit Histamin und hat schon lange geprüfte Weine im Sortiment. Die Schwestern Astrid und Annette Schales-Allendorf haben uns sehr sympathisch und humorvoll ihre Philosophie erläutert und kosten lassen.

Quelle Foto: A. Schales

Durch intensive Pflege und schonende Ernte bekommt das Weingut minimal belastetes Lesegut, und auch beim Ausbau wird auf die größtmögliche Vermeidung von Histaminentwicklung geachtet. Das Weingut nutzt bereits seit den 1960ern Jahren die Architektur bzw. mit dem damaligen dreistufigen Neubau hierzu die Schwerkraft zur schonenden Verarbeitung!

Mit dabei ein Messe-Maskottchen mit Sonnenbrille 😊 Weißweine, so Astrid Schales, sind generell eher geeignet für histaminarmen Weingenuss als Rote. Sie werden frühmorgens gekühlt geerntet, sehr zügig verarbeitet und auf dem Most vergoren, während Rotweine schon bei der Ernte nachmittags höhere Temperaturen mitbringen, auf der Maische vergoren werden und bei Schales alle mindestens ein Jahr im Holz reifen verbunden mit biologischem Säureabbau – alles Faktoren, bei denen auf ganz natürlichem Weg Histamine entstehen. Astrid Schales will bei den Roten aber auch keine Kompromisse für die Aromatik eingehen, denn ihre Roten sollen beim Kauf trinkreif sein. Sie rät daher eher vom Roten ab und zum Genuss von Weißen.

Wer aber kein Histaminproblem hat, aber auf Säure empfindlich reagiert, ist natürluch bei den Roten mit ihren moderaten Säurewerten gut aufgehoben.

Bei Histamin- UND Säureempfindlichkeiten empfiehlt Astrid Schales ihre reiferen Rieslinge und Burgunder-Sorten, Müller-Thurgau bzw. Rivaner. Verkostet haben wir den Weißburgunder, der elegant und zart, aber sehr prägnant für die Rebe auftritt. Oftmals sind Weißburgunder leider ja recht dezent und verschlossen in der Aromatik, und deshalb ist dieser ein richtig toller Wein!

Der Chardonnay hat bei Schales wie alle weiße Sorten kein Holz gesehen! Leicht nussig und fruchtig und mit einer sehr präsenten Struktur kommt er daher, auch eine schöne Begleit-Alternative zum Spargel statt Silvaner!

Bisher einer der ganz wenigen Rieslinge, die für uns richtig angenehm waren, lieferte die Fassprobe vom 2018er. Keine spitze, aber doch präsente Säure, die nun mal zur Rebsorte gehört, wunderschöne Zitrusaromen und gelbe Früchte wie Pfirsich, auch florale Noten offenbarten sich in Nase und am Gaumen.

Der Abschluss war der Abschuss 😉 Eine Rieslaner-Trockenbeeren-Auslese! Die Rebsorte, eine Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner, war in dieser Variante mit seinen schönen Honig- und Rosinennoten das perfekte Dessert itself, ist aber auch zu einem Mango-Parfait eine Bombe!

Ebenfalls in Rheinhessen beheimatet ist das Weingut Gustavshof. Andreas Roll hat uns sein kleines, feines „Hist-Check“-Sortiment präsentiert, bei der jede Charge auf Histamin untersucht wird. Die analytischen Angaben sollen für sensible Weintrinker zur Orientierung und Hilfestellung dienen.

Zur Histamin- und Wein-Thematik kam das Weingut eher zufällig, nämlich durch verstärkte Konsumenten-Anfragen. Andreas Roll entschloss sich dann, mal ein paar seiner Weine testen zu lassen. Für ihn offenbarte sich nach den Ergebnissen ein Zusammenhang von der Art und Weise, wie sie Weinberge kultivieren und Weine ausbauen und dass dabei so gut wie kein Histamin entsteht. Denn das Weingut hat seine Produktion nach den strengen biologisch-dynamischen Richtlinien nicht geändert; es werden keine Hefen benutzt, sondern spontan vergoren etc.

Verkostet haben wir zunächst den Silvaner. Der passt gut zu Speisen mit zurückhaltender Aromatik wie Spargel und gedünstetem Fisch, denn die brauchen einen feingliedrigen und einfühlsamen Begleiter. Der Silvaner wächst auf der höchsten Weinlage mit tiefgründigen Mergelböden und bringt gelbe Fruchtaromen wie Banane, Ananas und reife Birne mit. Trotz seiner Eleganz hat er auch eine angenehme, erdige Präsenz.

Der Grauburgunder 2017 zeigt ein schönes Mundgefühl mit etwas mehr Volumen sowie reife gelbe heimische Früchte. Der klassische Burgundertyp in der histamingeprüften Linie.

Der „Sinnvoll“ vereinbart das Thema „histamingeprüft“ mit maximaler sinnvoler ökologischer Bewirtschaftung! Die pilzresistente Rebsorte kommt in 80% der Jahrgänge ohne Pflanzenschutz aus. Vom Typ her wie die Burgunder-Sorten: milde Säure,  sanfte Struktur und ein  leichter Biss im Geschmack, eine schöne Fruchtaromatik, etwas nussig und eine leicht buttrige Note in Richtung eines Chardonnay. Außerdem ein außergewöhnliches Etikett!

Der ungeschwefelte und histamingeprüfte Rote „Zero S“ ist eine besonders spannende und seltene Kombination, da mit dem Schwefel-Verzicht hier nochmals ein weiteres Allergen vermieden wird.

Der Alltags-Rote aus Dornfelder und St. Laurent von alten Rebstöcken zeigt ganz sanfte Tannine und eine wunderschöne dunkle Farbe. Kann im Sommer auch leicht gekühlt getrunken werden, zum Grillen, auch kräftigem Fisch und zu allen unkomplizierten Weingenuss-Gelegenheiten, wo du nicht eine halbe Stunde darüber philosophieren willst, was der Wein nun an Aromen versteckt oder auch nicht, sondern wenn du einfach Spaß im Glas haben willst. Zum Wohl!

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