Da rockt der Frosch: Die Craftbiere der Rocket Frog Brewing Company

Die Rocket Frog Brewing Company in Sterling bei Leesburg ist unser heutiges Ziel. Das ist eine weitere Avantgarde-Craftbier-Schmiede in der Capitol Region im Osten der USA.

In diesem Beitrag kann Werbung enthalten sein, selbst dann, wenn keine Werbekooperation oder anderweitige Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen stattgefunden hat. 

Ganz unscheinbar und ungewöhnlich für eine Brauerei, jedenfalls für die normale deutsche Wahrnehmung und Assoziation, handelt es sich um eine kleine Einheit in einem großem Backsteingebäude mit vielen anderen Geschäften.

Wenn du die Kneipe betrittst, stehst du in einem blauen Raum mit neongelben Leuchtern. Eine große Holztheke dominiert den vorderen Bereich, im hinteren Bereich siehst du schon die Braukessel.

Auf dem großen Bildschirm wird dir das aktuelle Angebot angezeigt, welches immer wieder wechselt.

Richard Hartogs, einer der Gründer von Rocket Frog, hat uns einen 4er-Träger zum Tasting zusammengestellt.

Das erste Bier namens „Paper Wings“ hat bei 38 IBUs auch eine richtig bittere Note, die aber sehr angenehm und schön in einen leichten Malzkörper eingebunden ist. Es ist total fruchtig, hat aber auch Harznoten. Das versprochene Lemon grass ist sehr dezent versteckt, die tropischen Früchte stehen für uns im Vordergrund.

Die „Angry, Angry Alice“  hat einen vollen Gaumen und ist sehr cremig. Das helle IPA hat mit 75 IBU fast doppelt soviel Bittereinheiten und auch beinahe doppelt soviel Alkohol. Zitrus-Noten, aber auch Pinie, insgesamt mehr harzige Noten als die „Papierflügel“. Wegen seines Alkoholgrads ist es trotzdem sehr weich und rund, die Bitternote ist nicht wie erwartet heftig, sondern gut eingebunden.

Da rockt der Frosch: Das „Dry hopped Pale Sour Ale“ ist eines der abgefahrensten Biere, die wir je probiert haben! Es hat nur 27 IBU und 4,7% Alkohol und wurde an diesem Morgen frisch abgefüllt. Mehrere Malzsorten, Citra- und Mosaic-Hopfen und Lactobacillus kreieren ein verrücktes, sauer vergorenes Bier. Mit seinen Milchsäure-Bakterien erinnert es am Gaumen teils an die Schweizer Limonade Rivella und hat Noten von Sauerkraut und Most. Es bizzelt auf der Zunge, ist super erfrischend, aber mir einfach zu sauer.

Richtig geil fanden wir das Kay Gose to the Beach. Mit 4,3% hat es wenig Alkohol und auch nur 18 IBUS, Es ist ein säuerliches Bier, leicht moussierend im Mund und eher ein fruchtiges Sprudel-Limo-Bier. Es hat was von Brüsseler Geuze, Berliner Weisse oder Leipziger Gose, wobei hier die Säuerlichkeit sehr angenehm ist. Das Beste aber: Die expressiven Guave-Noten in Nase und Mund – einfach super!

Im blitzblanken Brauhaus hat uns Richard erzählt, wie er und sein Zwillingsbruder auf den Namen ihrer Brauerei gekommen sind.

Das Bild über der Bar zeigt einen Raketenstart am 6. September 2013, seinem Geburtstag. Der Frosch, der hier mit der Rakete abgehoben hat und den man erst später auf dem Bild entdeckt hat, ist Namensgeber!

Das Helle, direkt aus dem Tank „gezwickelt“, ist sehr vollmundig und aromenreich.

Wir hatten viel Spaß mit dem sympathischen „Leidenschafts-Brauer“!

Im Interview hat Richard erzählt, wie er und sein Zwillingsbruder zur Gründung einer Brauerei gekommen sind. Richard selbst hat früher Fernsehfilme und Dokumentationen für den Bildungsbereich ein- und verkauft. In Zeiten von Amazon und Co. will aber niemand mehr dafür zahlen. Also hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und in sechsjähriger Vorbereitung die Eröffnung der Brauerei vorbereitet. Die Brüder haben sich die Zeit genommen, alles zu lernen, was man zum Bierbrauen braucht.

Richard hat uns erzählt, dass es 34 Craftbier-Brauerein in Loudoun County und rd. 70 in der „Capital region“ insgesamt gibt. Es ist leicht, hier ein Geschäft zu eröffnen, denn es gibt viele Räumlichkeiten und günstige Mieten. 

Loudoun County ist einer der reichsten Gegenden im Land, eine der populärsten Gegenden in Virginia und nahe zu Washington und zeichnet sich durch hohe Einkommen und einem hohen Bildungsstand der Bevölkerung aus. Daher gibt es eine große Nachfrage nach handwerklichen Getränken, was zu „higher end brands“ führt – also außergewöhnlichen, nicht normalen Mainstream Bieren, für die die Leute geben auch gutes Geld ausgeben. Wir müssen uns also unterscheiden und packen z.B. Guave ins Bier, aber wir sind vielleicht nicht ganz so verrückt wie die Nachbarbrauerei, sagt Richard. 

Du musst aber nicht nur einen Bierstil mögen, um bei Rocket Frog auf deine Kosten zu kommen. Das Brown Ale war z.B. Bronze-Sieger beim American Beer Festival 2018, Es gibt auch California West Cost IPAs und Kettle Sours, Schwarzbier und Pilsner.

Woher er die Inspiration für all die Biere nimmt, wollten wir wissen. Manchmal einfach dadurch, Bier von anderen zu trinken und selbst zu genießen, sagt Richard. So kommt dann die Frage auf, wie könnte ich mal etwas Kaffee reinbringen? Der Braumeister ist wiederum Doktor der Biochemie und damit prädestiniert, um diese Aromen ins Bier zu zaubern!

Manchmal sei es auch die Jahreszeit, und manchmal müsse er einfach Geschäftsentscheidungen treffen und Bier brauen, um die Rechnungen zu bezahlen…eine ganz pragmatische Sichtweise 😉

Hier wird echte Handarbeit von vorne bis hinten geleistet: Dosen und Flaschen werden im Team abgefüllt, etikettiert und verpackt – inklusive dem Braumeister Russell Carpenter, Ph.D., links im Bild.

Die Biere sind nicht nur im eigenen Ausschank, sondern in über 200 Locations erhältlich

Stolz ist Richard auch auf die Theke im Tasting Room: Sie stammt von Dogfish Head, einer der Craftbeer-Pioniere in den USA. Wenn du in unsere ➡️ Podcastfolge 126 🎧 mit den Live-Verkostungen und dem Interview reinhörst, dann hörst du auch live das 2:0 der US-Damen bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Schweden 😉

Food Pairings, also die Kombination mit Speisen, ist ein weiteres Thema bei Rocket Frog: z.B. mit rohen Austern, mit egg rolls, aber nicht den herkömmlichen chinesischen Frühlingsrollen, oder auch French Toasts.

Bei über 40 Weingütern in der Region ist Richard ganz selbstbewusst: Er findet, dass Bier vielseitiger ist und es mehr Spaß bringt, Käse und Bier zu kombinieren. Wenn du sagst, heute Abend esse ich ein Steak, ist der erste Reflax: Rotwein dazu. Oder, so Richard, du machst dir Gedanken, welche Gewürze kommen aufs Fleisch und welches Bier bringt z.B. die gleichen Pfeffer-Noten mit…

Unser Fazit: Eine Bier-Manufaktur mit wirklich außergewöhnlichen Bieren und einem herrlich gechillten Inhaber – hier kannst du nichts falsch machen!

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