Verspieltes Münstertal: Das Romantik-Hotel Spielweg

Auf einer Rückkehr aus der Schweiz hatten wir auf einmal Lust, die Heimfahrt doch noch einmal entspannt und genussvoll zu unterbrechen. Dafür haben wir uns für einen spontanen Zwischenstopp im Markgräflerland, genauer gesagt im Romantik Hotel Spielweg im Münstertal entschieden.

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Sehr idyllisch gelegen ist der Komplex zwischen sanft gewellten, grünen Hügel am Rand des südlichen Schwarzwaldes. Schon die Anfahrt war ein gechillter Augenschmaus, erst recht der Anblick des alten, blumengeschmückten Hauses.

In dem heimeligen und richtig großen Schwarzwald-mäßigem Zimmer im alten Haupthaus mit einer schönen Aussicht haben wir uns richtig wohl gefühlt. Super: Parkett statt Teppichboden!!! 

Das Bad hatte etwas von 90er-Jahre-Style, was aber völlig in Ordnung war. Alles tipp-top sauber und in Ordnung.

Tolles Angebot für eine erholsame Nachtruhe über die herrlich frische Schwarzwaldluft und das entfernte, leise Plätschern des Baches im Tal hinaus: Eine Kopfkissen-Karte für jeden Schlaftyp. 

Wellness ist ein gutes Thema im „Spielweg“. Wir haben im Herbst den Außenpool nicht mehr nutzen wollen. Aber es gibt neben weiteren Spa-Bereichen auch einen Innenpool, der zwar etwas in die Jahre gekommen, aber völlig in Ordnung ist und in dem wir vor einem tollen Abendmenü präventiv Kalorien abgebaut haben…

Die historische Gaststube mit Schwarzwälder Kachelofen, dunklen Wandvertäfelungen und Kassettendecken sowie das Kaminzimmer vermitteln diese herrliche, alte, badische Wohlfühl-Atmosphäre. Achtung, hier bin ich (Burkhard) „vorbelastet“ – wie du in unserer „Nuller-Nummer“ hören kannst, ist mir meine Leidenschaft fürs Reisen und Genießen auch im Schwarzwald und am Kaiserstuhl, im Markgräflerland und Freiburg zwar nicht mehr in die Wiege, aber in die Sozialisation gelegt worden…ich bereue da nichts 😊

Auch der kürzlich verstorbene Tomi Ungerer war öfters im Haus. Einige seiner Karikaturen zieren die Gasträume.

Wir haben für unser Menü am Abend den neueren Teil des Restaurant-Bereiches gewählt, wo auch das Frühstück serviert wird. Am liebsten hätten wir zwar in der atmosphärisch dichteren, historischen Gaststube gegessen, aber wir wollten das Menü direkt live für dich einsprechen und deshalb haben wir den etwas ruhigeren Bereich gewählt, der auch eine schöne und gediegene, helle badische Gastlichkeit versprüht.

Foto Quelle: https://www.spielweg.com/https://www.spielweg.com/

Im Romantik Hotel und Restaurant Spielweg sorgt heute die sechste Generation für frischen Wind. Viktoria Fuchs als Chefin der Küche zeigt eine junge, ambitionierte Handschrift, ihre Schwester Kristin kümmert sich um die Hotelbereiche. Derzeit wird die kreative Regionalküche mit einfallsreichem Einsatz von Kräutern und Zutaten aus Asien im Guide Michelin mit einem Teller erwähnt. Gekocht wird vorwiegend mit Produkten aus dem Naturpark Südschwarzwald und Spezialitäten aus der hauseigenen Käserei und der eigenen Wurstherstellung. Das Haus unterstützt „Slow Food“, und seit 2018 gehört die Küchenchefin den „Jeunes Restaurateurs“ an. 

Unter diesen positiven Vorzeichen waren wir umso gespannter auf das Menü am Abend!

Der Gruß aus der Küche kam in Form eines Linsensalat mit Kalbshüfte. Zurückhaltende, frische Aromen prägten einen netten Auftakt.

Die Gänseleberterrine wurde verziert von einem dunklen Schokoladenstreifen und Fleur de Sel, ein schönes Spannungsfeld. Obenauf Quittengelee, angenehmes leicht buttriges, getoastetes Brioche und schwarze Nuss – alles richtig gemacht!

Das Glas des Begleiters versprühte zwar einen leicht morbiden Charme, der mich in dieser Form stets an die Ästhetik von Lancia-Automobilen denken lässt und dazu habe ich meine ganz eigene Konnotation, die ich hier aber nicht verrate 😉

Entscheidend war ja der Inhalt, ein Gewürztraminer Auslese Barrique Hex vom Dasenstein. Nicht so opulent, wie er im gegenüberliegenden Elsass ausgebaut worden wäre; das Fass kaum bemerkbar, hat er aber eine angenehme weiche Süße, einen schönen Hauch von Edelfäule und eine Anmutung von Honig mitgebracht. Dieser Traminer passte bestens zum gelungenen Einstieg.

Die gebratene Wildblutwurst mit gegrillter Jakobsmuschel war der Grund, warum ich mich für das 3-Gang-Menü entschieden hatte. Das wollte ich wissen! Mit Kartoffelstampf, Pflückspinat und Meerrettichschaum sind hier fünf völlig verschiedene Aromen kombiniert, die ich mir nie zu paaren getraut hätte. Dieser Gang ist richtig „Wow“ – Respekt!!!

Zwischen dem eigentlich unauflöslichen Rot- oder Weißweinzwang – hier Blutwurst, da Jakobsmuschel – hat mir Betina die final richtige Entscheidungshilfe gegeben : Der Grauburgunder Eichstätter Herrenbuck Kabinett trocken vom Kaiserstuhl mit seiner Aromatik von Honig und Quitte, ein wenig frischen Zitrusaromen, dezenter Mineralik und Säure, hintenraus auch Apfel und Birne, war die perfekte Balance zwischen Muschel und Wurst. Im Dreiländereck versteht man sich eben auf fairen Ausgleich, und das ist immer gut so!

Geschmorte Kalbsbäckchen mit Kartoffelpüree und geschmorten Karotten waren Betinas Hauptgang. Das Grün des Wurzelgemüses hat sie an ihre Kindheitserlebnisse auf den Feldern und echte Aromen von Karotten erinnert – herrlich. Überschrift über diesem Teller: „Butterzart“

Zweierlei vom Reh mit rosa gebratenem Rücken und geschmorter Schulter in einer schönen dunklen Sauce auf grünem Gemüse und Pfifferlingen sowie gegrillte Weinbergpfirsiche war meine Wohlfühlkombination auf dem Hauptteller. Begleitet von einem Martin Wassmer Spätburgunder, Spielweg-Edition Tomi Ungerer, offenbarte der Rote zarte Holz und leichte Raucharomen, typische Trüffel- und Waldboden-Noten, etwas Marzipan, Kirsche und Preiselbeere. Einer der eleganten und kompakten Spätburgunder, die selbst mich als eingefleischten Rhône-Fan sehr positiv berühren 😊

Ich habe mich für meine klassischen „3 K´s“ beim Dessert entschieden: Käse, Käse, Käse!

Ricotta, Bergkäse und Weichkäse aus der eigenen Käserei mit hausgemachten Natursauerteigbrot waren richtig gut.

Betina hat die süße, aber dieses Mal doch nicht ganz so süße Variante gewählt: Zartbitterschokoladen-Mille-Feuille mit Tabakschaum, Whiskyeis und Markgräfler Birnen.

Das „Aprés-Dessert“ war ein Zibärtle von Matheis mit stolzen 45 Vol-% , Mini-Guglhupf und vor allem prägnanten Aromen von Marzipan und Pflaume. Das hat mich an die Rettung meines Vertrauens auf meine Geschmacksempfindungen durch Michael Kohlmeier bei Gölles erinnert – ➡️hör in unserer Podcastfolge 088 🎧, was es damit auf sich hat!

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