Wo Frische, Kunst und Geschmack Trumpf sind – Pontestura im Piemont

Pontestura, die kleine Gemeinde im Monferrato ca. 10 km westlich von Casale Monferrato, hat gerade mal ca. 1.000 Einwohner, aber dafür eine interessante Geschichte. Zwischen 1100 und 1450 n.Chr. war der kleine Ort sehr bedeutend, denn er war der Sitz der Marchesi di Monferrato. Noch heute kannst du unter den schönen Arkaden entlang gehen, die dir im Sommer Schatten spenden und dich bei Regen, auch ohne Schirm, trockenen Fußes vorwärts kommen lassen.

Sehr gut hat uns gefallen, dass auf den Tafeln, die vor bedeutenden Gebäuden stehen, ein QR Code aufgedruckt ist. So kannst du dir die Infos auch in deutscher Sprache direkt auf dein Smartphone holen.

Der Künstler und Maler Enrico Colombotto Rosso (*1925 in Turin ✝️ 2013 in Casale Monferrato) lebte in seinem Haus in Camino, das zu Pontestura gehört. Weil er in jungen Jahren von mehreren Kunstakademien abgewiesen wurde, begann er zunächst, in der elterlichen Fabrik zu arbeiten und fing dann an, Poesie zu verfassen. Später ging er nach Frankreich, traf dort in Paris u.a. Max Ernst (einer der führenden Vertreter des Dadaismus) und begann zu malen.

Bevorzugt malte er Männer, weil er dachte „so wie Männer aussehen, ist das falsch, was aber Männer in sich haben, ist richtig“. Er war offensichtlich zeit seines Lebens ein Suchender, der sein Innerstes in seiner Kunst nach außen kehrte und eindrucksvoll in seinen Bildern zur Schau stellte. Bevor er starb, vermachte er der Kommune 120 Exponate, die heute im Palazzo Comunale am Wochenende besichtigt werden können.

Auch die kleine Kirche, deren Taufbecken aus dem Jahr 1350 n.Chr. stammt lohnt einen Besuch. Ganz vorne vor dem Alter auf der linken Seite an der Säule, lässt sich sehen, dass der Kirchenboden in den letzten Jahrhunderten immer mehr angewachsen ist. Der ursprüngliche Boden lag viel tiefer.

Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite findest du die unscheinbar wirkende Eingangstür in ein „Agnolotti-Paradies“. Die Manufaktur „Sapore di una volta“ von Davide Canadian und Barbara Moletto bietet dir täglich frisch zubereitete Agnolotti, gefüllt mit einem deliziösen Fleischsugo vom Kalb und Schwein. Die beiden nehmen für ihre Produkte nur die besten Zutaten und auch nur von regionalen Herstellern aus einem Umkreis von max. 30 km. Für den Teig verwenden sie den Mehltyp „Tenero 0“, einen Parmiggiano mindestens 24 Monate gereift und BIO Eier. Alles wird ohne jegliche künstliche Zutaten zubereitet, weil sie viel Wert auf natürliche Qualität legen.

Davide hat für uns extra seine Nudelmaschine angemacht und uns mit leidenschaftlicher Hingabe seine Produktion gezeigt. Bei ihm spürt und hört man, dass er seine Berufung gefunden hat. Sieh einfach selbst.

Direkt in der angrenzenden Küche hat er uns seine frisch produzierten Agnolotti, puristisch nur in Salbeibutter geschwenkt, zubereitet und serviert. Köstlich 😍

Sogar für den Nachtisch war vorgesorgt, eine selbstgemachte Kastanientorte wurde uns dafür noch gereicht. Für eine kleine Verkostung vor dem später geplanten Mittagessen eigentlich viel zu viel. So sind sie halt, unsere italienischen Freunde: Stolz und gastfreundlich! Wie hätten wir also ablehnen können? …hätten wir auch gar nicht gewollt 😉
Das Rezept zum Nachmachen der Kastanientorte findest du gleich hier.

Da wir noch länger unterwegs waren, konnten wir leider keinen Agnolotti-Vorrat mit nachhause nehmen. Du kannst dir bei einem Besuch die kleinen Teigtaschen aber in Vakuum verpackt mitnehmen und sie daheim bis zu 10 Tage später noch selbst zubereiten. Frischer und liebevoller zubereitet geht es nicht!

Oder doch?

Nun, es gibt da auch noch die Osteria Adria in Pontestura. Im ersten Moment waren wir über diesen Namen im Monferrato verwundert und dachten an die Fischgerichte an der Adria-Küste. Das mit dem Namen war dann doch schnell geklärt. Die Mutter der Inhaberin, die in der Küche steht und kocht, heißt Adriana. Abgekürzt wurde daraus einfach „Adria“! Von außen eher etwas unscheinbar, ist die Osteria innen größer als man es erwartet und sehr geschmackvoll eingerichtet.

Im Gastraum hängen an den Wänden Bilder von Enrico Colombotto Rosso. Er hat dort regelmäßig gegessen und weil er ab und an kein Geld hatte, hat er einfach mit seinen Bildern bezahlt. Dass er hier immer wieder zu Gast war, verstehen wir gut. Eine gute Gelegenheit übrigens, mit einem Glas Arneis seine Kunst zu betrachten, wenn das Museo geschlossen ist…

Adriana hat uns mit ihrer Vorspeise „Tris di carne cruda“ (batutta al coltello, cubo di filetto scotatto, involtino con robiola di Roccaverano) gleich von ihrer Kochkunst überzeugt. Das handgeschnittene Tartar hat so herrlich frisch nach rohem Fleisch geschmeckt, das Filet war auf den Punkt zartrosa gebraten und die rohen Fleischrouladen, gefüllt mit Robiolakäse, haben uns gezeigt, dass hier frische Zutaten ein Muss in der Küche sind.

Grün und frisch ging’s dann auch weiter. Die Pappardelle con spinaci e ortiche (nell’ impasto) e sugo di asparagi mantecato al formaggio e pancetta affumicata haben uns die grünen Aromen, wie frisch geerntet, schmecken lassen. Spinat und Brennnesseln sind einfach immer wieder ein Traumpaar in der Küche.

Zu diesen frischen Aromen begleitete uns ein Langhe Bianco, der „Tre Uve D.O.C.“ von der Azienda Agricola Malvirà, von der uns schon in Moncalvo ein Roero Arneis begeisterte (siehe Podcastfolge 057) Dieser unkomplizierte, schön zu trinkender Weiße aus 40% Chardonnay, 40% Sauvignon blanc und 20% Arneis war genau das richtie Pairing zu diesen mittäglichen Gängen.

Und dann kamen sie, die Agnolotti’s fatti in casa con sugo di arrosto. Auch sie wurden mit der gleichen Hingabe zubereitet wie bei Davide, mit Fleisch gefüllt lagen sie duftend in einer selbst gekochten Bratensauce.

Dazu gab es dann einen richtig fetten Rotwein mit imposanten 15 Vol.-Prozent, der Aromen von Waldboden, ein bisschen Leder und marmeladige dunkle Früchte mitbrachte und mit dezenten Tanninen und einem samtig langen Abgang die kleinen Teigtaschen perfekt begleitete.

Und weil wir an dieser Stelle noch immer nicht satt waren 😉 kam dann noch der Nachtisch. Panna cotta mit Karamelsauce und ein Semifreddo alle fragole. Ein wunderbarer Abschluss dieses Mittagmenüs!

Wir wissen jetzt auf jeden Fall, warum Enrico Colombotto Rosso hier Stammgast war. Bei der guten Laune und den Köstlichkeiten in dieser Osteria wären wir das auch, wenn wir um die Ecke wohnen würden!

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