Die Maremma – Mare e Monti im Süden der Toskana.

Wir waren für eine Woche im Mai in der Maremma und haben uns im Agriturismo Bocci ein Appartement gemietet. Diese sehr gepflegte Anlage liegt ca. 3 km im Hinterland von Castiglione della Pescaia und wird von den Inhabern Paola und ihrem Mann liebevoll gepflegt. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und einen sehr schönen Ausgangspunkt für unsere Ausflugstouren zu Winzern, Restaurants, Grosseto und dem Naturstrand Marina di Alberese.

Im Frühjahr ist diese Gegend wirklich schön zu bereisen, weil es noch nicht so heiß ist und von wenig Touristen besucht wird. Trotzdem haben die meisten Restaurants bereits geöffnet. Die Campingplätze sind allerdings noch nicht alle aus dem Winterschlaf erwacht. Wenn du also mit dem Wohnwagen unterwegs bist, dann solltest du dich vorab erkundigen. Für Wohnmobiltouristen ist das kein Problem, weil du überall Stellplätze findest.

Castiglione della Pescaia ist ein hübscher Fischerort vor den Toren der Regionshauptstadt Grosseto. Von der Kirche, die hoch über dem kleinen Ort thront, hast du einen wunderschönen Blick aufs Meer, zur Halbinsel Monte Argentario und zur Insel Giglio.

Am Anfang der Fußgängerzone gegenüber des Hafens findest du die Eisdiele „Cremeria Corradini“, die BIO-Eis herstellt, das seinesgleichen sucht. So geschmacksintensiv und cremig haben wir noch kein Eis gelöffelt. Gefühlte 5.000 Kalorien bekommst du hier in die kleinen Becher, von denen aber jede einzelne es wert ist, genossen zu werden ;.)

Die beschauliche Innenstadt ist ein Eldorado für Genießer. Ein Restaurant reiht sich ans nächste, dazwischen sind kleine Geschäfte mit einheimischen Produkten und auf der Piazza geht es am Abend sehr lebendig zu. Im kleinen Hafen liegen viele Fischerboote, die täglich für den frischen Fang sorgen, den du dann in den Restaurants genießen kannst.

Wir haben den frischesten Fisch im Restaurant Fattoria del Pescatore gegessen, das liegt ca. 600 mtr. entfernt vom Agriturismo Bocci und du kannst das sehr gut zu Fuß erreichen. Der Inhaber und Seniorchef fährt jeden Morgen mit seinem Fischerboot aufs Meer und liefert anschließend im Restaurant das ab, was ihm das Meer geschenkt hat. Diese Geschenke waren für uns mehr als köstlich. Die Tochter des Hauses bereitet daraus regionstypische Gerichte zu und serviert ihren Gästen ein Menü, das wirklich Spaß macht zu genießen.



Wer gerne Fleisch isst, kann das Restaurant „La Fortezza“ im alten Ortskern von Castiglione delle Pescaia besuchen. Fleisch, Fisch und Pasta werden auch hier in köstliche Gerichte verwandelt, die die Handschrift der südlichen Toskana tragen. Wir wurden gleich am Eingang mit einem Glas Prosecco empfangen und haben auch dort sehr gut gegessen.

Unser gewähltes Fischgericht sollte von einem Weißwein begleitet werden und als ich (Betina) einen Viognier auf der Karte erblickte, war es um mich geschehen.

Meine Lieblingsrebsorte hatte ich in der Maremma nicht erwartet und wollte deshalb diesen Wein unbedingt probieren. An diesem Abend haben wir den Winzer Cacciagrande entdeckt und waren uns gleich einig, dass wir ihn auf jeden Fall besuchen werden. Wir hatten viel Spaß mit dem Inhaber des Restaurants und wurden am Ende unseres Besuchs mit einem Polaroidfoto an seiner VIP-Wand verewigt.

Unseren Besuch beim Weingut Cacciagrande konnte ich auch deshalb kaum erwarten, weil wir in der Fattoria del Pescatore zum Fischmenü den passenden Vermentino getrunken haben. Auch dieser Wein hat uns restlos überzeugt und wir haben uns auf den Weg zu Loc. Ampio Tirli gemacht. Von Bruno Tuccio und seiner Frau Elena wurden wir herzlich empfangen und konnten alle seine Weine probieren. Er macht zwei Weiß- und drei Rotwein, die sich wirklich lohnen, probiert zu werden.

Eine ausführliche Beschreibung unseres Besuchs inklusive einem Video-Interview mit Bruno kannst du dir hier anschauen.

Auf unserem Weg dorthin haben wir das Weingut „Le Mortelle“ gestreift, das zur Weindynastie Antinori gehört und uns für einen kurzen Besuch entschieden. Landschaftlich sehr schön gelegen, mit einem architektonisch grandiosen Weinkeller und einem bezaubernden Verkostungsraum präsentiert sich dieser toskanische Antinorivertreter sehr mondän. Die Weine haben uns aber überhaupt nicht überzeugt. Für die Weinprobe wird hier Geld verlangt und du bekommst nicht die „großen Weine“ zum probieren. Sie sind uns zu mainstreamig und für meinen Geschmack (Betina) haben sie zu viel Säure. Wer Weine ohne Ecken und Kanten mag und den großen Namen Antinori in seinen Keller legen möchte, wird hier allerdings genau richtig sein.

Wer nach all den Weinproben Lust bekommt auf ein authentisches Menü und den großen Tortelli Maremmani, der sollte sich unbedingt einen Tisch im Ristorante Rurale „Gli Attortellati“ reservieren. Für uns ist dieses Restaurant jedes mal wieder ein Pflichtbesuch mit absoluter Garantie von frischer und authentischer Maremmaküche, die seinesgleichen sucht.


Einen Verdauungsspaziergang kannst du anschließend am Naturstrand von Marina di Alberese machen oder in der sehr schönen Innenstadt von Grosseto, die von einer alten Stadtmauer umgeben ist. Für Schuhliebhaber ist diese Stadt ein Paradies. In den zahlreichen Schuhgeschäften findest du hier wunderschöne Lederschuhe, mit denen du immer auf der Höhe der Modetrends bist. Zahlreiche Cafés laden zu einem Espresso ein oder du genießt einfach das historische Zentrum der Stadt. Etwas außerhalb findest du den neu gebauten Einkaufscenter Maremá mit zahlreichen Geschäften und einem sehr schönen Supermarkt ipercoop für deine Verpflegung im gemieteten Appartement.

Die zauberhafte Maremma bietet für jeden Geschmack etwas. Meer und Berge liegen hier nah beieinander und der Monte Amiata, ein Berg vulkanischen Ursprungs, verleiht den Weinen dieser Gegend eine unverwechselbar mineralische Note. In diesen Weinen schmeckst du das Feuer der heißen Lava und ganz besonders beeindruckt haben uns die Weine vom Weingut Amiatavini.


Wer einen kürzeren Ausflug in die Berge plant, fährt am besten nach Scansano. Der Morellino di Scansano ist weltberühmt und die kleine Gemeinde lohnt sich auf jeden Fall für einen Besuch. Die Weine dieser Region kannst du in den zahlreichen Weingeschäften im Ort oder direkt bei den Winzern rund um Scansano probieren. Am Ortseingang, von Grosseto kommend, fährst du direkt auf die Winzergenossenschaft zu. Wir waren dort zwei mal und haben die Weine probiert, allerdings sind wir unserer anfänglichen Meinung treu geblieben. Für uns war kein Wein dabei, der den Weg in unseren Keller gefunden hat.

Im Ristorante Franco und Silvana https://www.facebook.com/ristorantefrancoesilvana/ war ich (Betina) auch schon zwei mal und werde es immer wieder besuchen, wenn ich in der Nähe bin. Kaum zu glauben, dass sich in den Hügeln von Scansano ein Fischrestaurant so lange hält und seine Qualität seit Jahrzehnten konstant hoch ist. Hier gibt es keine Speisekarte. Gekocht wird, was fangfrisch am jeweiligen Tag angeliefert wird. Die Bedienung erzählt dir, was es heute gibt und wartet dann mit ihrem bezaubernden Lächeln erwartungsvoll darauf, für was du dich entscheidest. Gespannt und erwartungsvoll kannst auch du dort sein. Hier gibt es so leckeren Fisch und Meerestiere vom Grill, dass mir beim Schreiben der Zeilen schon wieder das Wasser im Munde zusammenläuft.

Wer den Weg von Scansano nach Pitigliano nicht scheut, den erwartet eine malerische Altstadt auf Tuffstein gebaut. Mit seinen engen Gassen, die nur von den kleinen Dreirädern „Piaggio Ape“ oder dem Ur-Cinquecento von Fiat befahren werden können, hat diese Stadt immer noch seinen Jahrhunderte alten Flair bewahrt. Wir haben dort im „PanCaciUa“ in der Via Cavour 32 eine Weltklasse Lasagne gegessen und ein Glas Bianco di Pitigliano getrunken. Diesen Weißwein, der vor den Toren der Stadt kultiviert wird, kannst du in zahlreichen kleinen Geschäften kaufen oder probieren. Einen netten Blick auf die Stadt kannst du in diesem Video werfen, das vor ein paar Jahren für den Fiat 500xl hier gedreht wurde.

Auf der Autofahrt von Scansano in Richtung Grosseto kommst du an einem kleinen Bio-Weingut „La Carletta“ vorbei, das direkt rechts an der Hauptstraße liegt. Mit unserem Alfa Spider ist das jedes Mal ein gewagtes Unterfangen, in den Hof einzufahren, weil der Abstand zwischen Straße und Unterboden immer sehr „naheliegend“ ist.

Bisher hatten wir stets Glück und sind heil rein und raus gekommen. Dieses Weingut macht auch ein ausgezeichnetes BIO-Olivenöl, das du neben den Weinen gerne probieren kannst. Das Inhaberehepaar ist sehr nett und öffnet dir gerne seine Tür. Wir haben dort einen ganz abgefahrenen Weißwein probiert, den Ansonica, der im Holz ausgebaut wurde und nach der Methode des Großvaters reift. Dieser Wein ist sehr dicht in der Struktur und hat einen ausgeprägten Geschmack nach Kaffee. Für Wein- und Kaffeeliebhaber ein interessanter Wein, für alle anderen vielleicht zu extravagant.

Ein ausgezeichnetes Olivenöl macht auch die „Frantoio Plona“, die wir vor Ort besucht und das grasgrüne Öl probiert haben. Im Hinterland von Castiglione della Pescaia, auf einem Hügel mit traumhaftem Ausblick werden hier 2.400 Olivenbäume kultiviert. In dem kleinen Steinhaus, das vom Inhaberehepaar bewohnt wird, werden auch wenige Zimmer für Reisende vermietet. Wer Ruhe sucht und sich mit kulinarischen Köstlichkeiten der Inhaberin verwöhnen lassen möchte, ist hier genau richtig. Einzig die Zufahrt ist wieder etwas abenteuerlich. Mit liefergelegten Autos kann das bei Unachtsamkeit schnell zur mittelgroßen Katastrophe.

Wir lieben die Maremma, ihre Weine, die Tortelli Maremmani, das Meer, die gastfreundlichen Menschen dieser Region und das dortige Klima. Deshalb zieht es uns immer wieder dorthin und vielleicht hat dich dieser Beitrag auch inspiriert, dieser Region einmal einen Besuch abzustatten. Als Genussmensch und Weinliebhaber bist du dort sicherlich genau richtig.

Falls du nur einfach mal auf der SS 1 Richtung Roma unterwegs bist und eine kleine Pause von den gefühlten 100.000 Schlaglöchern dieser Straße benötigst, dann fahr doch ein paar Meter abseits nach Valpiana Richtung Massa Marittima und leg eine kulinarische Verschnaufpause ein. Im Feinkostladen „La Novella“ kannst du regionstypische Gerichte direkt vor Ort essen oder auch für später einkaufen. Wir kehren dort gerne ein und decken uns mit Mitbringseln für die Lieben zu Hause ein.

Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Genießen und sammeln neuer Eindrücke.

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