Ein Engel und ein Fachwerk-Himmel: Die Domaine Engel und Eguisheim im Elsass

Im Frühherbst haben wir mal wieder unseren Stammwinzer im Elsass besucht, die Domaine Fernand Engel in Rorschwihr. Dieses Weingut haben wir vor einigen Jahren entdeckt, als wir die Elsässer Weinstraße erkundet haben. Es liegt direkt an dieser Straße am Ortseingang von Rorschwihr, wenn du von Straßburg aus kommst. 

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Weil damals Bio noch nicht so verbreitet war und unser Instinkt uns sagte, hier sollten wir mal anbremsen, probierten wir die Weine. Das war schon damals ein Volltreffer. Deshalb sind wir seitdem immer wieder dort, um uns mit Elsässer Gewürztraminer und Pinot Gris einzudecken.

„Allianz von Himmel und Erde“ steht über dem Eingang, und das trifft den Charakter dieses Ausnahme-Weingut perfekt. Du wirst freundlich empfangen, hier wird auch deutsch gesprochen, wenn du des Französischen nicht mächtig sein solltest.

Weinproben machen einfach immer wieder Spaß

Vom Degustationsraum hast du einen wunderbareren Blick über die Rheinebene und Richtung Schwarzwald im Osten. 

Die Einrichtung mag ein bisschen barock anmuten, aber das ist am Ende völlig egal. Es hat sich wieder richtig gelohnt, anzubremsen und die aktuellen Jahrgänge zu verkosten. Genau das empfehlen wir auch, wenn du Lieblingswinzer hast. Wir hatten schon Jahrgänge, wo uns unser Lieblings-Traminer nicht ganz so gefallen hat. Dann sind wir eben auf andere Lagen ausgewichen, weil diese uns in dem Jahr mehr zusagten. Hier schmeckst du eben die Jahrgänge wirklich heraus, es wird nichts „eingeebnet“, sondern du hast authentische, ehrliche Weine im Glas.

Wir haben uns, wie meistens, auf Pinot Gris und natürlich unseren Liebling Gewürztraminer konzentriert. Der erste Pinot Gris, ein Vin traditionnel 2017, ist in der Nase eher dezent, am Gaumen aber schon etwas expressiver mit Aromen vom Apfel und leicht gezuckerter Ananas. Bereits dieser Basis-Pinot Gris ist schon relativ vollmundig.

Der Pinot Gris aus der Lage Rotenberg, Jahrgang  2017, ist deutlich voluminöser, aussagestärker und kommt mit einem exotischen Fruchtcocktail nach Mango, Papaya und ein bisschen Ananas daher. Was diesen Wein vom vorherigen außerdem positiv abhebt, ist seine klar erkennbare Mineralität.

Der Pinot Gris Clos des Anges 2017 hat uns wieder wirklich überzeugt. Die Chefin des Hauses hat ihn zwar eher als Dessert Wein empfohlen, wir finden ihn jedoch auch zu Fischgerichten passend. In der Nase klasse Noten von reifer Birne und dezent säuerlichem Apfel, auch fluffige florale Noten, aber vor allem karamellisierte Quitte. Die Fruchtsüße bringt der Wein auch wunderbar am Gaumen mit, er ist wuchtiger als der vorherige, ohne richtig fett zu sein. Ein schon sehr präsenter Wein, der seine Süße zeigt: Super auch zu einem Foie gras, gar kein typischer Pinot Gris wie z.B. in Südtirol oder gar die federleichte Variante wie in Venetien. Bereits der Grauburgunder zeigt wieder: Der Clos des Anges, der „Weinberg der Engel“, ist unsere bevorzugte Lage des Weinguts!

Der Basis-Gewürztraminer Vin traditionel von 2016 ist dann doch eher die robuste Variante mit einer sehr ausprägten Würzigkeit. Er hat kaum Frucht, ist zu einer Elsässer Schlachtplatte aber sicher eine gute Alternative zum Riesling.

Der zweite Gewürztraminer, Vin de Terroir 2017 von der Lage Kugelberg ist schon cremiger. Er hat fruchtige Noten in der Nase, etwas Rose, er wirkt runder. Die Frucht zeigt sich auch am Gaumen, nach hinten raus hat er allerdings einen ganz leicht adstringierender Abgang. Die Gerbstoffe legen sich an Zähnen und Gaumen ab, was einen für uns nicht ganz so angenehmen Eindruck hinterlässt.

Beim dritten Gewürztraminer sind wir da angekommen, wo wir hinwollten! Der Vin de Terroir Clos des Anges 2017 begeistert uns seit Jahren immer wieder und auch dieses Mal völlig! Gerade im „Clos des Anges“, auf deutsch „Weinberg der Engel“, lassen die mikroklimatischen Bedingungen das geniale Facettenreichtum der Botrytis bestens gedeihen.

In der Nase kommen Aromen von pinker Grapefruit, ein Hauch Rose und vor allem richtig fette Litschi-Noten, insgesamt ein exotisches Potpourri. Man riecht schon deutlich den Duft der Botrytis cinerea, der Edelfäule, die so typisch für den Elsässer Weißwein-Ausbau ist, ohne dass die Weine gleich die Kategorie superwuchtige Eisbeerenauslese annehmen.

Unheimlich rund und super schmelzig, voluminös und cremig ist das ein perfekter Begleiter zum Rahmsauerkaut mit Thymian und Stachelbeeren, einem auf der Haut gebratenem Zanderfilet und Rösti! Nach hinten raus legt sich ein minimaler, jahrgangstypischer Säureteppich unter den Abgang, der dem Wein einen frischen Auftritt verpasst. 

Der 2016er Grand Cru aus der Lage Altenberg in Bergheim ist sehr rund gefällig, geht eher Richtung Spätlese und zeigt auch mehr Edelfäule sowie mehr zuckrige Noten. Er ist ein typischer Rebsortenvertreter, es kommen Honignoten dazu. Ein schöner Wein, aber im Preis-Vergleich zum Clos des Anges ist der Mehrwert so nicht erkennbar.

Natürlich findest du in diesem Weingut auch Riesling und Pinot Noir, Edelzwicker und Cremants. 

Richtig gut einkaufen kannst du auch in den großen Supermärkten, die im Vergleich zu vielen in Deutschland wahre Gourmettempel sind….Die Terrinen Theken, Fischabteilungen, Fleisch-, Wurst und Gemüse-Angebote sind wirklich gut und du bekommst hier an der Supermarkt-Käsetheke die Qualität, die in Deutschland erst im Käsefachhandel erhältlich ist!

Weiter im Süden des Elsass, einen Katzensprung von Colmar aus, liegt das wunderschöne historische Städtchen Eguisheim. Parken solltest du auf den vorgesehenen Flächen außerhalb des alten Kerns, ansonsten könnte es etwas mehr kosten.

In der Ortsmitte am Place Saint Leon, unterhalb des Château und der Kirche findest du das Restaurant A. Edel, das auch eine Metzgerei betreibt.

Für uns war das ein Glückstreffer, denn es war später Nachmittag, wir hatten einen leichten Hunger und wollten eine Kleinigkeit essen, aber die Küche des Restaurants hatte gerade dichtgemacht. Das war zum Glück überhaupt kein Problem: Wir sind in die Metzgerei, haben uns Flammkuchen und Quiche erhitzen lassen, sind damit auf die Terrasse des Restaurants gesessen und haben uns etwas zum Trinken dazu bestellt.

Ein französischer „Oldtimer“: Das Vélosolex, in den 70er ein Kultfahrzeug der jungen Generationen.

Eguisheim ist wahrlich kreisförmig um das Château angelegt. Die Rue dû Rempart ist eines der engen Gässchen, die den herrlichen Charme des Ortes ausmachen.

Ein kleines Käsegeschäft öffnet mehr oder weniger nur sein Holztor, und du stehst direkt an der Theke. Ist allerdings etwas teuer und auf Touristen ausgelegt.

Buntes Fachwerk und schmale, schiefe Häuser, deren Fachwerkgebälk über die Jahrhunderte gearbeitet hat, teils verwinkelte Gässchen und individuelle Grundstückszuschnitte prägen das romantische Stadtbild von Eguisheim.

Witzig dekorierte Fassaden mit Kochgeschirr und der klassisch-schöne Blumenschmuck begegnen dir hier auf Schritt und Tritt.

Das Weingut Freudenreich Joseph et Fils hat eine dieser architektonisch besonderen Fassaden und Grundrisse. Auch hier ist die Grundstücks-Grenzlinie aus alten Zeiten offenbar recht kreativ gezogen worden: Die sehr spitz und eng zulaufenden Räume sind schon sehr speziell 😊 Die Weine haben wir allerdings nicht probiert.

Um die Ecke ist übrigens das Weingut Haeffelin Heyberger, dessen Gewürztraminer wir in der Domaine du Moulin zum Menu du Plaisir genossen haben. Hör unsere Podcastfolge 121.

In westlichen Teil der Rue du Rempart haben wir dieses kleine Häusschen mit der Aufschrift „Vigneron“ entdeckt. Das offensichtlich kleine Weingut hat uns sofort interessiert, also sind wir die paar Stufen hinauf gestiegen und kamen direkt in den unteren Teil des Hauses. Dort ist der Verkostungsraum mit seiner niedrigen Decke, viel Holz und einer ziemlich steilen Holztreppe in den ersten Stock.

Die Tochter von Henri Gsell, dem Winzer, hat uns ihre Weine probieren lassen. Der Vigneron Independant produziert die typischen Elsässer Rebsorten wie Engel in Bio-Qualität.

Uns hat der Pinot Gris, der Gewürztraminer 2017 und der Pinot Gris Grand Cru Alsace aus 2016 gut gefallen.

Übrigens gibt es im Westen vor den Stadtmauern einen Camping Platz. Wenn du ein Wohnmobil zur Verfügung hast, dann ist das eine gute Idee, in aller Gelassenheit die Gastronomie und die Winzer von Eguisheim entdecken und genießen zu können 😉

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