Loudoun County – Wein und Craftbier in Virginia´s malerischen Hügeln

Nach Loudoun County geht’s heute weiter mit unserem USA-Ostküsten-Trip! Das ländlich geprägte „Hinterland“ nur ca. 40 km westlich von der US Hauptstadt Washington D.C. ist Teil der „Capitol Region“ und die obere Wein- und Craftbeer-Region in Virginia, die wir uns näher angeschaut haben. 

In diesem Beitrag kann Werbung enthalten sein, selbst dann, wenn keine Werbekooperation oder anderweitige Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen stattgefunden hat. 

Der malerische Landkreis im Bundesstaat Virginia gilt als eines der führenden Weinbaugebiete Amerikas und ist vom Travel & Leisure Magazine zu einem der besten neuen Weinziele der Welt gekürt worden. Über 30 zumeist familienbetriebene Weingüter bieten auch einige internationale Spitzenweine und interessante Rebsorten.

Über einige Mitglieder des Loudoun Wine Trail sowie des LoCo Ale Trail werden wir heute und in den nächsten Beiträgen erzählen!

Den absolut richtigen Riecher hatten wir bei der Auswahl unserer Unterkunft! „The Manor at Airmont“ heißt dieses Bed & Breakfast, dessen Bett und Frühstück internationale Maßstäbe SETZT! 

Airmont ist ein gemeindefreies Gebiet in Loudoun County an einer Straßenkreuzung und ist – ohne despektierlich zu sein – Pampa pur. Das Manor (zu deutsch: Herrenhaus) liegt etwas abseits der Landstraße an einer Schotterpiste inmitten der sanften Hügel der Region. Der Kern ist 1830 erbaut, 1890 der erste Anbau und 2000 der Teil, in dem wir gewohnt haben.

Anthony, der mit seiner Familie und Schwiegereltern diese Oase der Ruhe betreibt, hat uns verraten, das 20 ha Fläche zu bewirtschaften sind. Du siehst abgetrennte Pferdekoppeln und satte grüne Wiesen, schattenspendende Bäume und am blauen Himmel hübsche weiße, wie gemalte Wattewolken. Hören kannst du außer Vögelgezwitscher höchstens leise und entfernt die Kühe der Nachbarfarm, die auf ihren Weiden ab und zu ein glückliches Muhen von sich geben. Nachts ist es so stockdunkel, dass du außer tausenden Glühwürmchen höchstens noch Lichter aus dem Haus schimmern siehst

Auf der Veranda des Manor haben wir eine unserer gechilltesten Podcast-Aufnahmen (Folge 122) gesprochen – wenn´s mal etwas knirscht, dann sind das die Schaukelstühle, deren entspannende Nutzung wir nicht lassen konnten 😉

„Pine“ hieß unser sehr geschmackvoll gestaltetes Zimmer. In dem Boxspringbett, dass höher ist als wenn unsere Koffer aufrecht stehen, haben wir super erholt geschlafen.

Mit dunklem Holz, goldenen Elementen und klassischem Design ist das Manor ein willkommener Kontrast zu vielen nüchternen Hotels ohne Atmosphäre.

Nette Begrüßung: Neben frischer Milch erwartete uns ein kleines „Überlebenskit“ für den ersten Abend. Nach unserer gigantischen Soulfood-Erfahrung in Ida B´s Place in Baltimore ( ➡️ hör unsere Podcastfolge 120🎧🎙) haben uns ein kühles Bier und ein paar Kleinigkeiten zum Naschen auf der Veranda in Gesellschaft der Glühwürmchen allerdings auch gereicht.

Eat – sleep – celebrate (Essen, schlafen, feiern) ist das Motto des Manors – hier die Hochzeits-Suite, die bei den vielen Hochzeiten auf dem Gelände dem jeweiligen Brautpaar vorbehalten ist.

Dezent-gediegen ist auch der kleine Saal und die großzügigen Räumlichkeiten, in denen das Frühstück serviert wird, aber auch Veranstaltungen stattfinden. Ideal ergänzen die Freiluftbereiche. 

Es gibt um halb neun – nicht ab, sondern UM halb neun sharply – Frühstück!

Wirklich außergewöhnlich fantastisch sind die speziellen glutenfreien Leckereien! Wegen eines Familienmitglieds, das von einer Glutenunverträglichkeit betroffen ist, haben sich Anthony´s Ehefrau und ihre Mutter darauf spezialisiert: Du bekommst hier ein perfektes Angebot, Frische Pancakes mit Heidelbeeren, dunkle Kuchen mit Banane und noch viel mehr, die super geschmeckt haben – sogar teils besser als „normale“…

Auch die jeden Morgen wechselnden Eierspeisen von Eiern aus dem eigenen Hühnerstall haben uns mit der freundlichen Umsorgung gleich gut gelaunt in den Tag starten lassen: Entweder gab es Eggs Benedict mit Hash Browns (im Grunde wie Rösti) oder Omelett mit korianderverfeinertem Tomatensalat oder Spiegeleier mit Speck … frische Früchte und Säfte, Milch von den Nachbarn und ein kubanischer Bio-Kaffee und das alles in einer 1 a – Qualität, die wir bisher nur selten im Frühstücksbereich erlebt haben

Unser Manor ist die perfekte Ausgangsbasis, um Loudoun´s liebliche Landschaft und seine Genussadressen und historischen Stätten zu erkunden.

In der weitläufigen Gegen stehen großzügig verteilt teils riesige Anwesen. Die Rasenflächen sind tiptop gepflegt, du siehst ständig Dienstleister mit mehreren Aufsitz- und anderen Mähern bei der Arbeit auf den Grundstücken.

Nicht weit von Washington D.C., ist die Region auch Naherholungsgebiet für die Hauptstädter und Rückzugsgebiet für Politiker. So lebte z.B. George W. Marshall in Leesburg, dem Europa nach dem Zweiten Weltkrieg den Marshallplan und damit einen Wiederaufbau verdankte. Gemütlich und im Grünen und doch nah am Zentrum der Macht.

Leesburg ist die größte Stadt der Region und liegt genau an der ehemaligen Grenze zwischen den Nord- und Südstaaten. In jeder Hinsicht historischer Boden, denn auf den Schlachtfeldern um Leesburg tobte der amerikanische Bürgerkrieg besonders, und auch die Stadt war in Mitleidenschaft gezogen.

Lohnenswert ist ein Besuch in Oatlands Historic House and Gardens, einer ehemaligen Südstaaten-Farm vor den Toren Leesburgs, die so groß ist, dass im Bürgerkrieg Truppen beider Lager auf der Gemarkung campierten, ohne voneinander zu wissen. Die Farm ist quasi ein Kristallisationspunkt des Bürgerkriegs.

Die Villa der Ende des 17. Jahrhunderts gegründeten Plantage hat einen imposanten Eingang mit klassizistisch wirkenden Säulen. Im Innern des „Palazzo“ sind leider keine Fotografien erlaubt. Ein Blick hinein lohnt sich aber! Die Führung im Haus ist inhaltlich auch sehr reich an Informationen über die Familiengeschichte im Kontext der historischen Entwicklung der USA.

Der Blick über den Vorplatz in die Weite der Landschaft gibt eine Ahnung von den Ausmaßen der rd. 170 ha großen Farm. Ursprünglich wurde vor allem Tabak angebaut, aber mit den wesentlich größeren und effizienteren Tabakfeldern viel weiter unten im Süden konnten die Besitzer nicht mithalten. Deshalb setzte man bald auf Hafer („oat“) und andere Produkte.

Eines der vielen Nebengebäude ist das Gewächshaus aus dem Jahr 1810, welches als ältestes Gewächshaus im Süden der USA gilt. Außerdem gab es ein Räucherhaus, eine kleine Molkerei, ein Kutscherhaus und weitere Wirtschaftsgebäude auf dem Areal, die du heute noch sehen kannst.

Wir haben uns einer weiteren geführten Tour angeschlossen, die die Thematik der Sklaverei im Allgemeinen und im Besonderen auf der Farm beleuchtete. Natürlich hat auch diese Farmersfamilie ihr Land mit Sklaven bewirtschaftet.

Heute gibt es dort einen Verein, der sich unter dem Motto „Reclaim your story“ (Fordere deine Geschichte zurück) u.a. zum Ziel gesetzt hat, die Nachfahren der damaligen Sklaven nach Oatlands zu bringen. Auf der Schautafel findest du Namen der damaligen Sklaven. Bei unserem Besuch waren ein ganzer Bus voll ihrer Nachfahren auf dem Gelände und damit an der Graswurzel ihrer eigenen Vergangenheit.

Die Menschen, die man von den Sklavenschiffen weggekauft und auf die Farm gebracht hat, mussten nicht nur den heute noch wunderschön angelegten terrassierten Garten pflegen, sondern vor allem die Felder mit den Agrarerzeugnissen.

Da, wo heute etwas unterhalb des riesigen Vorplatzes der Villa romantische Sitzgelegenheiten stehen, standen früher die Hütten, in denen die Sklaven wohnten. Eine wirklich interessante Frage der Führung war, was die amerikanischen Einwanderer aus Europa eigentlich ohne sie gemacht hätten. Die ausgewanderten Engländer und andere hätten die riesigen Weiten des Kontinents nie so beackern können ohne die Anzahl und Manpower der Sklaven. Sie wären wirtschaftlich (auf Kosten der Sklaven) niemals so erfolgreich geworden. Wie wäre die historische Entwicklung der USA also möglicherweise verlaufen?

„Warum versuchten die versklavten Menschen nicht, sich zu befreien?“, lautete eine Frage einer amerikanischen Besucherin der Führung. Die Antwort unseres Guides war aufschlussreich und niederschmetternd zugleich: Sie hatten nichts, keine eigene Geschichte und kein Eigentum, selbst ihr Leben gehörte ihrem „Master“.  Wobei dieser auf Oatlands vergleichsweise human gewesen sein soll: Die Sklaven mussten dort „nur“ 12 Stunden arbeiten und durften sogar Pausen machen, es gab einen Penny Lohn pro Tag und Nahrung wurde gestellt. Sie alle wussten: Wenn wir hier die Flucht versuchen und wieder gefangen werden, dann werden wir in den Süden verkauft, und dort waren die Bedingungen noch ungleich brutaler.

Und so ist sogar einer auch nach der Befreiung der Sklaven nach dem Ende des Bürgerkriegs geblieben: Bazil Turner, oben im Bild, arbeitete zunächst weiter für die Familie bzw. für die neuen Besitzer des Guts.

Auch für botanisch Interessierte ist das weitläufige Gelände sehr interessant: Es gibt jede Menge Blumen und andere Pflanzen zu sehen.

Beeindruckend sind auch die uralten, riesigen Bäume in dem parkähnlichen Areal rund um das Herrenhaus, vor allem die Ausmaße der „Blue Atlas Cedar“.

Es macht Spaß, durch das historische Leesburg zu bummeln. 

Trotz der Bürgerkriegswunden ist das Straßenbild von alten Gebäuden geprägt.

Die typischen Südstaaten-Wohnhäuser mit ihren Veranden, Schaukelstühlen und US-Fahnen findest du auch in den Nebenstraßen der Stadt.

Klassische, in dem Fall zweirädrige, Fahrzeuge siehst du natürlich auch.

Auch in Leesburg hat uns wieder die Outdoor-Gastronomie begeistert, die wir von unserem Atlanta-Aufenthalt 14 Jahre zuvor so nicht kannten. Hier findest du einige nette Restaurants und Cafés.

„Art Sweet Art“ kombiniert zwei erstaunliche Genüsse  – kunstvolle Bilder von lokalen Künstlern und die weltberühmte belgische Neuhaus-Schokolade. 

Wie wunderschön ist vor diesem Kino Zeitkolorit und Geschichte in Szene gesetzt: Ein Porsche 550 Spyder (oder ein Nachbau, das wissen wir nicht) parkt vor dem Eingang ins Lichtspielhaus. 1955 standen in den USA fünf Exemplare dieses Rennwagens zum Verkauf. Einen sicherte sich der junge Schauspieler James Dean, der mit seinen wenigen Rollen bereits zum Jugendidol und Filmstar avanciert war. Am 30. September 1955 kam James Dean in seinem Porsche bei einem Autounfall ums Leben. So wurden zwei Mythen geboren: James Dean und Porsche.

In einem von außen ziemlich unscheinbaren Gebäude haben wir ein Café entdeckt und gleich mal ausprobiert.

Im Kingstreet Coffee bekommst du auch Bio-Kaffee und glutenfreie Backwaren. Wir fanden die von uns probierten Kaffees allerdings – zurückhaltend formuliert – nicht so besonders, vor allem mit zu viel Säure ausgestattet, obwohl wir extra nach säurearmen Sorten gefragt hatten.

Die für uns nicht adäquate Getränkeversorgung in dem Café war aber überhaupt kein Problem. Denn zwei Häuser weiter haben wir die Black Walnut Brewery entdeckt… an diesem herrlichen Sommertag in der schönen Spätnachmittagssonne war uns sowieso eher nach einem zischigen kühlen Bier.

Hinter der Veranda im Haus an der Straße befindet sich der Schankraum, in dem du deine Ales und Porters genießen kannst. Wir haben gleich mal einen „Flight“ (hier eine 4er-Probe) bestellt.

Noch gechillter kannst du dein Bier bei schönem Wetter allerdings hinten im Garten genießen. Hier haben wir uns mit unserem Flight gemütlich eingerichtet und in aller Ruhe bei netter Hintergrundmusik die Biere verkostet. 

Das Porter namens „Back Lab (Peanut Butter) mit 6,3% Vol.-Alkohol und 45 Ibus (Bittereinheiten) hat in Nase und Mund tatsächlich intensive, abgefahrene Aromen von Erdnussbutter und schwarzen Walnüssen. Ein super Bier zu Käse!

Das Cooper´s Trail IPA, ein eher dunkelgelbes, fast orangenes Bier, bringt herbe 82 IBUs mit. Trotzdem hat es die Brauerei s geschafft, dass die schönen Zitrusnoten nicht von Bitterkeit erschlagen werden. 

Hör alle Verkostungsnotizen in unserer ➡️ 🎙Podcastfolge 122 und auch, welch kurioses Spiel von Gästen wir beobachten konnten!

Nach den paar Bierchen und zu vorgerückter Stunde hat uns ein leichtes Hungergefühl heimgesucht.

Die Barbeque Empfehlung von Anthony, die wir ausprobieren wollten, hat leider nicht funktioniert: Der Hammerdown BBQ hat nur bis 18.00 Uhr geöffnet, wohl noch von den ehemaligen Food-Truck-Zeiten stammend, als der gestartet ist, und wir hätten noch gute 20 km fahren müssen.

Also haben wir uns von anderen Gästen Empfehlungen geben lassen und sind diesen folgend in Leesburg zum Yummy Pig Diner gefahren. Schon der Duft in der Nase beim Betreten des Lokals signalisierte klar: BBQ!

Einfach eingerichtet und teils typisch, wie du es aus alten Filmen kennst, stehen rote, kunstlederbezogene 2er Bänke Rücken an Rücken und Tisch an Tisch. An den Wänden einige Bilder lokaler Künstler.

Auf dem Tisch stehen hausgemachte Saucen, und wir haben uns gedacht, jetzt wagen wir einfach mal, eine andere Kategorie Essen auszuprobieren. Einen Diner kann man auch als die amerikanische Variante von „gutbürgerlicher deutscher Küche“ bezeichnen.

Als Appetithappen vorneweg haben wir uns klassisch karamellisierten Speck vom Grill bestellt, der wirklich gut gemacht war.

Betina hat sich für einen weiteren Klassiker entschieden, nämlich Spare Ribs. Die waren recht ordentlich, du wirst aber in einem späteren Beitrag hören, lesen und sehen, wie es um Klassen besser geht! Begleitet wurden die Ribs von einem Quinoa Salat mit Cranberries und Käse sowie einem leicht zu scharfen Süßkartofffel Gratin.

Mein Chili con carne mit Frühlingszwiebeln und Jalapenos war ok, geht aber auch deutlich besser. Fazit: Die Diner-Erfahrung war es mal wert, und du kannst dort schon essen, wenn du nichts Besonders willst. Auch das muss es schließlich geben.

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