Das Castello di Gabiano – In mächtigen Mauern wohnen und genießen

Das Castello di Gabiano ist nicht nur ein Weingut, sondern auch eine Übernachtungs-Location der ganz besonderen Art.

Das Örtchen Gabiano liegt im Westen des Monferrato, und die Burg selbst thront traumhaft schön gelegen hoch über dem Po mit ringsherum weit ausschweifendem Blick in die Ebene, Richtung der Alpen und südwärts über die grünen Hügel der Region.

Die Markgrafen Cattaneo Adorno Giustiniani betreiben hier seit 4 Jahrhunderten Weinproduktion, die in diesem Gebiet eine tausendjährige Tradition hat, wie aus den alten Gemeindeverzeichnissen hervorgeht. Heute bewirtschaftet Giacomo Cattaneo Adorno, der letzte Marquis von Gabiano, zusammen mit seiner Frau Emanuela 22 ha Weinberge mit der Kellerei.

Die nette Mitarbeiterin Katja hat uns durch das alte Castello und die darunter liegende Kellerei geführt.

Im Fasskeller stehen auch einige alte Flaschen und besondere Schätzchen. Burkhard hat dort einen 1964er Gabiano Riserva entdeckt und ist – ohne den Wein probiert zu haben – der festen Überzeugung, das sei der beste Jahrgang ever 😉

Du kannst den inneren Teil des Castellos, der von der Familie noch immer genutzt wird, besichtigen, aber in den Räumen keine Fotos machen.

Wir waren beeindruckt von dem Speisesaal, der in der Anordnung der alten Holztische eher wie ein Gerichts- oder Thronsaal anmutete, in dem der Marquis am Kopfende saß und Familie und Gäste aus der Küche dahinter bewirten lies.
Ein fantastischer Rundumblick über die Burganlage und natürlich die Region belohnt dich, wenn du die (für heutige Verhältnisse etwas beengte) Wendeltreppe zum Turm erklommen hast.

Zudem kannst du in diesem alten Castello in einer wirklich außergewöhnlichen Atmosphäre in traumhaften Gemächern wohnen. Schon an der Rezeption verbreitet sich dieses besondere Flair eines Schlosses.

Die Zimmer und Suiten haben natürlich schöne alte Elemente, sind innenarchitektonisch aber modern und geschmackvoll eingerichtet. Die Kombination von altem und neuem Holz, Fenster mit gotisch anmutenden Bögen und neuen Möbeln sowie sanitären Installationen oder Küchenzeilen ist wirklich bestechend. Originell: Eine Suite hat ein „Toilettenhäuschen“ in den Raum hinein gebaut (hier hinter der freistehenden Badewanne).

Hier zeigt Katja an einem Fenster, durch welches das warme Licht der Frühjahrssonne strömt, einen der bezaubernden Ausblicke Balkon auf Po und Hügel. Die Betten sind in der Regel so auf die Fenster ausgerichtet, dass du morgens mit diesem herrlichen Sonnenlicht gut gelaunt in den Tag starten kannst.

Und so sieht sie beispielsweise aus, deine Aussicht vom Balkon!

Überall in der Anlage begegnen dir echte Elemente einer Burg oder Pflanzen des Mittelmeeres.

In dem ebenfalls im Spannungsfeld antik – modern eingerichteten Verkaufsraum des Weinguts haben wir eine kleine Verkostung genossen.

Der Monferrato Bianco „Corte“ 2015 mit 90% Sauvignon blanc und 10% Chardonnay, kommt frisch und fruchtig mit einer angenehmen Zitrus-Nase daher. Ein eleganter Wein, im Barrique ausgebaut, mit intensiven Aromen von schwarzen Johannisbeeren-Aromen, Pink Grapefruit und etwas Rhabarber. Trotz Holzausbau schmeckt man das Fass nicht, der Wein ist angenehm frisch.

Nach unserem Geschmack ein schöner Begleiter für ein Vitello tonnato oder einem leichten Pastagang.

Der Rubino di Cantavenna „La Braja“ 2014 (das ist der Name der DOC-Region) präsentiert sich mit einem tief dunklen Rot im Glas. In der Nase hat man Leder, eine animalische Anmutung, würziges Holz, Veilchen und Kirsche. Er ist schlank im Mund, aber robust, mit leichtem Tannin und präsenter Säure.

Für uns ganz klar ein Fall für Prosciutto, Salame und Lardo!

Der Barbera d´Asti 2016 (bestehend aus 80% Barbera, 10-15% Freisa – siehe auch unseren Blog „Höllisch gut und doch nicht infernalisch: Barbera aus dem Infernot“ zu dieser autochthonen Rebsorte!) und 5-10% Grignolino kommt eher erdig daher, mit Zigarren- und Trüffel-Aormen. Am Gaumen eine präsente Säure, schwarzer Pfeffer, Sauerkirsche und wieder Trüffel.

Passt gut zu Braten oder Fleischsoßen.

Das Abendessen im Restaurant „3 OROLOGI“ des Castello können wir dir wirklich empfehlen.

Es gab – jedenfalls bei unserem Besuch – keine Karte, es gibt eben ein wechselndes Menü, was dir angesagt wird. Irina, die freundliche Bedienung, hat uns deshalb das Menü einfach auf einem Zettel zum Mitnehmen notiert.

Los gings mit dem einschlägigen carne cruda, auch hier in einer perfekten Qualität.

Beim 2. Gang erschien ein „uovo in camicia“, ein „Ei im Hemd“ mit einer cremigen Sauce von Toma-Käse, aromatischen grünem Spargel und einem perfekt crossem Speckstreifen.

Es folgte ein herrlicher Pasta-Gang mit frischen, hausgemachten Nudeln und gemischten Pilzen.

Als Hauptgang gab es einen in schön dünnen Scheiben servierten Kalbsbraten.

Betina hatte an diesem Abend die Weinauswahl, und sie entschied sich für den „Flagship“- Wein des Castello Gabiano, die“ Mathilde Giustiniani Riserva“ aus 95% Barbera und 5% Freisa. Was uns auch in diesem Restaurant wieder positiv aufgefallen ist: Die Flaschenweinpreise sind in italienischen Restaurants im Vergleich zu Deutschland i.d.R. recht angenehm.

Selbst dieser „Leuchtturm“ war nicht überteuert – vor allem nicht, wenn du ihn auf der Zunge hattest! Wir hätten echt was verpasst, hätten wir uns diesen Genuss nicht gegönnt.

Mit 13,5 % Volumen recht ordentlich ausgestattet, erschien der dekantierte Jahrgang 2011 in tiefem Dunkelrot. In der Nase herrliche Aromen von Holz, Rauchpaprika, Preiselbeere sowie ein Hauch Tabak. Im Geschmack ist dieser Wein ganz weich mit leichter balsamischer Note, dann kommt das angenehme Tannin in das Säurespiel und wieder balsamisch-würzige Aromen. Etwas adstringierend, aber nicht wuchtig, ist diese Riserva eher elegantes Florett als brachiales Schlachtschwert, die Aromen der Nase wiederholen sich im Abgang mit etwas Nelke on top. Ein echtes „Wow“ und der Intention des Weines angemessen! Hör den Hintergrund dazu in unserer Podcastfolge 063!

Ach ja, ein Halbgefrorenes von der Erdbeere gabs auch noch zum Abschluss … ein perfekter Abend!

Nach unserer gesponserten Monferrato-Rundreise haben wir auf eigene Faust und Kosten noch ein paar sehr schöne Tage in Gabiano verbracht. Das Castello bietet neben den Suiten in den Burgmauern auch eine neu eingerichtete 3-Zimmer-Ferienwohnung mit top Küche zur Selbstversorgung in Laufnähe an, für die wir uns wegen der besseren Arbeitsbedingungen für unsere Podcastshow entschieden haben. Auch wenn du hier wohnst, kannst du das Frühstück im Castello genießen, was wir gerne getan haben.

Vom Wohnzimmer / vorderem Balkon hat du eine tolle Aussicht über die Reisfelder der Po-Ebene Richtung Alpen und zum Castello.

Die kulinarische Alternative zum Castello in Gabiano ist die kleine Bar „La Chance“. Etwas unterhalb des Castello liegt die erst vor ein paar Monaten neu gestaltete Bar gegenüber dem Rathaus. Schon vom Parkplatz aus hast du den traumhaften Ausblick, den du auf der Terrasse der Bar wirklich gaaaanz in Ruhe mit einem schönen Weißen im Glas genießen kannst 😊

Wir hatten mittags einmal Lust auf einen kleinen Happen und sind deshalb spontan im „La Chance“ eingelaufen. Das war eine gute Entscheidung…für den Durst, Genuss und Entspannung haben wir uns zum Wasser erstmal einen ganz jungen Piemonte Chardonnay 2017 von der Azienda Agricola Franco Roere mit gechillten 14 Vol.-% empfehlen lassen.

Nachdem am Nachbartisch eine schon rein „optische Nettigkeit“ serviert wurde, haben wir nachgefragt, was das denn sei und dann sofort die Vongole auf Vollkorn-Tagliatelle mit gerauchtem Käse bestellt! Die Kombination der Muscheln mit den Raucharomen des Käses war vorzüglich.

Zum Abschluss haben wir eine Spezialität der Region, einen kalten Espresso mit Schuss, probiert. Hatte etwas von Eiskaffee und war außerdem eine prima Verdauungshilfe.

Da an einem weiteren Abend unserer Zeit in Gabiano das Ristorante „3 Orologi“ leider nicht geöffnet hatte, sind wir abends dann noch einmal ins „La Chance“ gegangen. Etwas rustikal, aber qualitativ hochwertig konnten wir auch da genießen. Betina hatte eine Salami- und Schinkenplatte als Antipasto-Gang, ich (Burkhard) hatte mich für die Käsevariante entschieden.

Mehr wie noch ein Pasta-Gang war an diesem Abend, nach reichlich kulinarischen Erfahrungen im Monferrato (die wir AUSSCHLIESSLICH deshalb auf uns genommen haben, um DIR davon berichten zu können 😉) einfach nicht mehr drin.

Eine besondere Entdeckung war ein italienisches Craftbeer, das Birra Antoniana Marechiaro, ein Italian Crisp Lager. Mit Kräuter- und florealen Hopfennoten und einem Hauch der Macchia mediterranea hat es hervorragend zu den eher deftigen Speisen an diesem Abend gepasst.

Das Castello di Gabiano und das „La Chance“ gehören definitiv zu unseren neuen Lieblingsplätzen im Piemont!

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Zur Übersicht über alle Podcastfolgen geht es hier lang

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