Neues vom Markt des guten Geschmacks – die Slow Food Messe 2019

Hier treffen sich all jene, die Lebensmittel in ihrer Vielfalt schmecken und genießen möchten: Bunt, regional verschieden und nach den Jahreszeiten variierend – so fassen es die Veranstalter von Slow Food selbst zusammen. 

In diesem Beitrag kann Werbung enthalten sein, selbst dann, wenn keine Werbekooperation oder anderweitige Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen stattgefunden hat. 

Natürlich haben wir auch in diesem Jahr auf dem Markt des guten Geschmacks in der Stuttgarter Messe am Flughafen wieder Neues und Außergewöhnliches gesucht und gefunden! Dies kannst du in unseren Podcastfolgen 101 und 102 hören; unsere Impressionen von der Messe 2018 findest du in unserer Podcastfolge 039.

Am Stand von der Heubacher Brauerei, die im Remstal östlich von Stuttgart liegt, haben wir unser erstes alkoholfreie Craftbier überhaupt kennengelernt. 

Thomas Mayer, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Familienbrauerei im Ostalbkreis, legt zwar auch Wert darauf, dass die Hirschbrauerei Heubach auch eine klassische gute Halbe für den Durst braut, aber auf der Slowfood-Messe standen eher die Craftbiere im Vordergrund.

Das Tropic Ale, eines der wenigen alkoholfreien Craftbiere, die es gibt, wird tatsächlich nicht oft als solches erkannt: Sehr fruchtig in der Nase, unterstreicht die Restsüße die üppigen tropischen Fruchtaromen. Mit deutlich Bitternoten und auch zarten Anklängen an Bergamotte braucht dieses erfrischende Bier keinen Alkohol als Geschmacksträger; die fünf verschiedenen Aromahopfen (und der Braumeister 😉) haben diesbezüglich einen klasse Job gemacht.

Mit der Azienda Agricola Visconti haben wir eine Ölmühle aus dem nördlichen Apulien gefunden, die ihre Produkte aus der regionalen Peranzana-Olive gewinnt. Klassisch kaltgepresst, aber auch mit einer an der Universität Bari entwickelten neuen Ultraschall-Methode: Studien haben ergeben, dass dadurch die Fettsäuren weniger geschädigt werden und das Öl mehr Polyphenole und Antioxidantien hat, wie uns die Produzenten stolz mitteilen.

Visconti ist ein „Presidio“ der Slow Food Bewegung, also ein konkretes Beispiel einer neuen, nachhaltigen Landwirtschaft, die lokale Ökosysteme sowie regionale Traditionen erhält und Lebensmittel von unverwechselbarer Qualität schafft. Durch die neue Extraktionsmethode ist das Olivenöl im Prinzip noch gesünder, sagt der Hersteller. Schmackhaft ist es auf jeden Fall, das haben wir auch bei der Verkostung festgestellt: sehr filigran, mit Aromen von Mandeln, grünen Tomaten und sehr fruchtig!

Das Akronym „VELTSAM“ und der Spruch „Weintrauben und sonst nix“ ist uns am Stand der Balsamico-Manufaktur Mayer + Mayer aus Krems in Niederösterreich ins Auge gesprungen – das wollten wir genauer wissen.

Die Brüder Stefan und Thomas Mayer haben die Manufaktur aus der Taufe gehoben, weil sie wissen wollten, ob aus den heimischen Trauben gute Balsamico produziert werden können. Nur Bio-Veltliner-Trauben kommen in den Balsamico, kein Zucker, Konservierungsstoffe oder Sonstiges.

Wir haben sowohl den klassischen Balsamico probiert, der sich tatsächlich durch eine perfekte Balance zwischen (angenehm wenig) Säure und Süße auszeichnet und sich für Salate, aber auch fürs Kochen, Ablöschen und Marinieren eignet. Der länger gereifte ist konzentrierter, dickflüssiger und intensiver für den Einsatz bei Mozzarella, Erdbeeren oder Vanilleeis.

Am Stand vom „Knusperreich“ haben wir den Chef Walter Simon bei der Herstellung seiner Produkte interviewt und herrlich weiche Cookies probiert.

Das ist auch das Besondere am „Knusperreich“: Bio Cookies – keine Kekse! – werden hier handwerklich hergestellt. Cookies sind immer weicher und zarter, der Name kommt vielmehr von „knuspern“ – also knabbern…der Mango Cookie hat uns nicht nur aromatisch, sondern auch von der Textur her wirklich überzeugt. Du kannst sie in witzigen Dosen bestellen, und wenn du die zuhause öffnest, steigt dir ein Duft in die Nase, als ob du in der Backstube stehst…

Hier hörst du Fritz Tauscher im Interview in der Podcastfolge 059

Fritz Tauscher vom Tettnanger Brauhaus haben wir wiedergetroffen, der mit den Hopfenanbauern hofft, dass sich der Hitze- und Dürresommer 2018 so nicht wiederholt, denn die Hopfenernte war mengenmäßig deutlich beeinträchtigt. Wir meinen: Der Klimawandel muss jetzt endlich nachhaltig zurückgedrängt werden! Natürlich war der frisch vom Fass gezapfte Schluck Pils wieder eine bierkulinarische Offenbarung 😊

Die Bezeichnung „Saugut“ und eine stilisierte Schweinenase dazu haben uns an den Stand der Weinfamilie Fendt gezogen. Volltreffer! 

Jürgen Fendt ist einer der renommiertesten Sommeliers Deutschlands und früher als solcher im bekannten Hotel Barreis in Baiersbronn tätig, das u.a. ein 3-Michelin-Sterne-Restaurant beherbergt. Er macht längst selbst Wein und hat einen Namen für seinen „badischen Landwein“ aus Müller-Thurgau, Kerner und Riesling gesucht. Jetzt heißt der Wein einfach so, wie er schmeckt: Saugut!

Betina hat mit ihrer extremen Aromensensibilität sofort Sauerkraut-Noten entdeckt, und die kommen daher, dass hier so gut wie nicht interveniert wird und Hefen aus dem Weinberg für eine lange Spontangärung sorgen. Im Geschmack ist der zupackende Saugut vielschichtig, aber schnell zu verstehen und trinkig, recht schmelzig und trotzdem frisch. Passt super zu Kässpätzle, einem schlichten Vesper oder Kassler mit Kraut und Sahnepüree, um den Schmelz wieder einzufangen. Mahlzeit und viel Spaß auch noch danach 😊

Beim Anblick des Bembel-Gin aus Hesse ging Burkhard einfach nur noch das Herz auf! Endlich mal wieder normalsprachlich-heimatlich unterhalten, und das auch noch über kulinarische Highlights aus dem Herzen Europas 😊

Tatsächlich unwiderlegbare Lebensweisheiten wie „ Des bissi Esse könne mer ach dringe“ oder „Libber zuviel gegesse, als zu wenisch gedrungge“ sind schließlich Eckpfeiler hessischer Genussmentalität! Und die finden sich im Bembel-Gin wieder: Während andere Gurken bevorzugen, kommt hier natürlich hessisches Streuobst in den Gin. Ergebnis: Ein fruchtig-frischer Apfel-Gin, der zischt wie Abblsaft! Was sonst noch so darin ist, kannst du in unserer Podcastfolge 101 hören.

Gut: Burkhard musste natürlich klären, dass die Eintracht-Edition des Bembelgin wohl ein Ausrutscher sein muss. Hintergrund: Der Darmstädter unterstützt fussballtechnisch natürlich seinen Heimatverein SV Darmstadt 98, bekannt als die „Lilien“, die aktuell auf dem 10. Platz der (leider) 2.Bundesliga stehen. Einig war er sich am Ende doch mit der Hessin hinterm Stand, sich natürlich hinter den einzigen hessischen Club in der Bundesliga, die Eintracht Frankfurt zu stellen (aktuell Platz 4 der 1. Bundesliga und damit auf Championsleague-Platz), während der am Standort der Messe gespielte Fussball des VfB Stuttgart auf Platz 16 der Tabelle und damit schon auf einem Relegationsplatz mit Tunnelblick in die 2. Liga steht…jetzt sind wir gespannt auf die Fan-Feedbacks 😉

Lecker seit immer! lautet das selbstbewusste Motto der Bio-Convenience-Food-Manufaktur. J. Kinski Das wollten wir genauer wissen. Die Bio-Brühen aus den sechs thüringischen Suppenkesseln in der Nähe von Weimar haben uns wirklich überzeugt: Geschmacklich sehr intensiv und außergewöhnlich in super Qualität.

Die 2014 mit dem Street-Food-Award ausgezeichnete Manufaktur produziert Brühen, die viele heute so gar nicht mehr selbst machen können, weil sie entweder die erforderlichen Knochen nicht mehr bekommen oder sich die Zeit nicht nehmen (können oder wollen, ist dabei die Frage…). 

Aber tatsächlich sind die Brühen zum Beispiel als Basis für eine schnelle Nudelsuppe mit Gemüse, mit Sahne für eine Spargelcremesuppe oder mit Tomate für ein Risotto „Problemlöser“ in Bio-Qualität und „from nose to tail“-Philosophie.

Süße Schokolade ganz ohne Zucker oder künstliche Süßungsmittel bekommst du von der kleinen Manufaktur Makri aus dem Allgäu. Drei Brüder haben mit ihrer veganen Dattel-Schokolade vor Jahren zunächst für die eigene Problemlösung begonnen, weil sie auf raffinierten Zucker und anderes verzichten wollten.

Seit etwa einem Jahr sind die Brüder nun am Markt mit ihrer Schokolade vertreten, die ausschließlich aus drei natürlichen Zutaten in Bio-Qualität besteht: Kakaomasse, Kakaobutter und Datteln. Der Witz bei dieser „Süßungsart“: Die Datteln werden fein gemahlen und komplett zur Kakaomasse gegeben. Dadurch sind jede Menge Vitamine und Ballaststoffe aus der süßen Frucht enthalten. Und: Der natürliche Fruchtzucker geht sehr viel langsamer in den Blutkreislauf und lässt den Insulinspiegel nicht so stark ansteigen. „Heißhungerattacken“ werden vermieden 😉

Burkhard hat am Stand der Sunflower Family in der Vegan-Halle der Messe eine Bolognese entdeckt, war aber nicht nur über den guten Geschmack, sondern auch die schöne fleischige Textur der „Hack“-Sauce begeistert. 

Wir wollten von Oliver Schenkmann (im Hintergrund seine Gattin, die uns probieren ließ) das Geheimnis dahinter wissen. Rund drei Jahre Forschung mit mehreren Universitäten im Rahmen eines EU-Projekts „Pflanzliche Proteine aus dem Alpenraum“ sind in der Produktion von Lebensmitteln aus 100% Sonnenblumen gemündet. 

Die verschiedenen Verarbeitungsstufen bzw. Aggregatzustände beschreibt der Inhaber im Interview in unserer Podcastfolge 102! Am Ende steht jedenfalls eine Spaghetti Bolognese mit Biss und Genuss – ohne Soja, ohne Fleisch und ohne künstliche Zutaten! Eine auch preiswerte, schnell zu verarbeitende Grundidee für eine gesunde und genussreiche Ernährung.

Den passenden Begleiter für die vegane Bolognese haben wir direkt gegenüber entdeckt: Veganen und vor allem histaminarmen Wein aus Österreichs Wienviertel!

Gerald Fürnkranz hat das Weingut, das auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken kann, 2013 von seinem Vater übernommen und es zum ersten vegan-zertifizierten Weingut in Österreich umgebaut. Dadurch gibt es viele Kunden, die auch histaminintolerant sind, so dass der Winzer den Ausbau auch in diese Richtung weiterentwickelt.

Mit der Bezeichnung „low histamin“, d.h. unter 0,1 mg Histamin, ist Gerald Fürnkranz als „Bester Produzent ökologisch“ bei der Berliner Wein Trophy vom Platz gegangen.

Wir haben zuerst den weißen Klassiker des Weinviertels bzw. Österreichs insgesamt verkostet, den Grünen Veltliner DAC: Extraktreich, pfeffrig, würzig, schöner Schmelz und recht fruchtig ausgebaut.

Der Gelbe Muskateller liegt an der halbtrockenen Grenze und besticht deshalb ebenfalls durch eine angenehme Cremigkeit im Gegensatz zu manchen Rebsorten-Vertretern, die sehr strohig wirken. Exotische Früchte wie Maracuja, aber auch Holunder erwarten dich hier.

Der gemischte Satz des Weinguts, ein weiterer Klassiker der österreichischen Weinbaukultur, ist ebenfalls nicht wie sonst typisch trocken, sondern – sehr spannend – an der Grenze zu lieblich ausgebaut. Der 2018er ist komponiert aus Welschriesling, Gewürztraminer und Chardonnay, die sich hier zu einem frischen exotischen Fruchtpotpourri nach Mango und Maracuja, aber auch süßlichen Mandelnoten vereinen. Eine filigrane Restsüße und eine trotzdem durchscheinende, leichte Spritzigkeit machen diesen gemischten Satz ziemlich einzigartig!

Ein Teil einer Messehalle stand ganz im Zeichen des Grillens, wie nicht nur dieser überdimensionierte, eher an eine alte Dampflok im Maßstab 1:1 erinnernde Smoker dokumentiert.

Vom kleinen Klassiker zum High-End-Design Grill findest du hier alles.

Gut, dass da auch ein Grill-Bier angeboten wird 😊 Ob du dabei ein Engele oder ein Bengele erwischst, erfährst du in Podcastfolge 065!

Wir waren total gespannt, was uns dieses Jahr auf der Slow Food Messe Neues erwarten wird. Wie erwartet waren doch viele Anbieter da, die wir schon lange kennen und die wir auch 2018 schon angetroffen haben (siehe Podcastfolge 039). Ein paar waren dieses Jahr allerdings nicht mehr dabei, dafür dann aber wieder ein paar interessante neue, von denen wir dir hier berichtet haben.

Die Slow Food Messe gibt immer wieder ein spannendes Update für neue Genüsse. Wir haben darüber hinaus auch noch weitere Termine im Kalender und sind wie immer mit unseren „Trüffelnasen“ auf der Spur nach neuen kulinarischen Highlights, um sie dir vorzustellen. Stay also tuned 😉

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