Soul Food, Geist und Kulinarik in Baltimore

Kulinarisch und künstlerisch, intellektuell und politisch erkunden wir heute mit dir weiter die Charm City an der Chesapeake Bay und schlendern durch Mount Vernon. Wir erzählen dir von ganz viel Licht, aber zunächst auch von etwas Schatten in der Stadt, den du kennen solltest.

In diesem Beitrag kann Werbung enthalten sein, selbst dann, wenn keine Werbekooperation oder anderweitige Zusammenarbeit mit den genannten Unternehmen stattgefunden hat. 

Vor dem Eintauchen in das kulturelle und historische Zentrum Baltimores wollten wir einen Blick in die über 200jährige Markthalle „Lexington Market“ werfen. Auf dem Weg haben wir das eine oder andere Foto geschossen, was einen freundlichen Einheimischen veranlasste, uns weitere Tipps für schöne Gebäude-Motive zu geben. Wir waren schon dabei, in die West Lexington rechts von „Rotittos“ Richtung der Markthalle zu laufen, da hat uns der Baltimorer noch gewarnt, auf dem Weg dahin gut aufzupassen, uns nicht zu trennen und auf Wertsachen zu achten, weil es rund um den Markt eine aktive Drogenszene und die entsprechende Kleinkriminalität gibt.

Wir hatten schon öfters von den hohen Kriminalitätsstatistiken gehört. Die sind aber eben konzentriert in einigen wenigen Gegenden. Und da, so hat uns unser Tippgeber verraten, gehen die Einheimischen selbst auch nicht hin.

Das lies mich an meine allererste Assoziation zu dieser Stadt denken: Ein Lied von Nils Lofgren mit dem schlichten Titel „Baltimore“ auf seinem genialen 1979er Album. Hier der Textauszug:

„Gebeutelte kleine Möwe, auf einer marmornen Treppe,
versucht den Ozean zu finden, sie sucht ihn überall
Harte Zeiten in der Stadt in einer harten Stadt am Meer
Es gibt keinen Ausweg, hier gibt es nichts umsonst
Betrunkene liegen auf den Bürgersteigen, schlafen im Regen
Und sie verstecken ihre Gesichter, und sie verstecken ihre Augen
Denn die Stadt liegt im Sterben, und sie wissen nicht, warum
Ach, Baltimore, Mann, es ist schwer einfach nur zu leben“

In der Recherche zu diesem Blogbeitrag habe ich gelernt, dass der Song von Randy Newman („Short people“) stammt. 1977, auf dem Scheitel einer Deindustrialisierungswelle geschrieben, malt der Text mit wenigen drastischen Worten eine heruntergekommene Downtown-Gegend, aus der Menschen und Möwen nur noch wegwollen. Und ich fand eine dritte, traurige Reggae-Version von Nina Simone, die komplett von einem resignierten Fatalismus dominiert ist.

Ja, wir haben dann die späten, teilweisen Auswirkungen solcher Entwicklungen gesehen.

Deshalb gefällt mir nach wie vor am besten die Cover-Version von Lofgren, der u.a. mit Neil Young und Bruce Springsteen gearbeitet hat und damit in einer positiven Reihe politisch engagierter Musiker steht. Hier ist einfach eine sich nicht mit den Umständen abfindende, konstruktive Wut und der politische Wille zu Verbesserungen zu spüren!

Betina hat sich absolut unwohl gefühlt, als wir die ersten Anzeichen der besagten Szene sichteten, und sind dann direkt in Richtung Mount Vernon abgebogen, wo wir unbedingt die Peabody Library sehen wollten.

Dort haben wir im Mount Vernon Marketplace eine nette Alternative gefunden. Die kleine, aber schnuckelige Food Hall ist etas unscheinbar in einem Eckhaus gelegen.

Im industrial style gehalten, ist der Mount Vernon Marketplace eher übersichtlich, aber unheimlich vielseitig.

Angebot und Leute sind charmant! We are all friends (wir sind alle Freunde) steht am Eingang, was bedeutet, du kannst dir überall was holen und dich damit überall hinsetzen. 

Kooperation ist hier angesagt!

Also gut, dann vertiefen wir doch mal die Kooperation mit der amerikanischen Craftbeer-Szene, dachten wir uns und haben die Taps Fill Station angesteuert. Über 4.000 Craftbeer-Brauereien gibt es in den USA, d.h. rund 40.000 Biersorten. Nicht schlecht!

Das „Right Proper Astral Weeks“, Saisonbier einer Washingtoner Brauerei, hatte eine leichte Zitrusnase, eine leichte Säuerlichkeit und trotzdem auch etwas Fruchtsüße. Der Knaller kam allerdings von DC Brau: Das „Joint Resolution“ war aromatisch ähnlich, aber malziger und vor allem zusätzlich mit Cannabis-Aromen! Wir hatten einen entspannten Tag…😉

Wissenschaft und Kunst, Bildung und Kultur sind auch heute noch prägend: Zwei große Universitäten und rd. 20 öffentliche Bibliotheken zeugen vom progressiven Geist, der in der Stadt herrscht. 

Ein Beispiel: Die für jedermann frei zugängliche Enoch Pratt Library, die sich in einem wunderschönen klassizistischem, super gepflegten Gebäude befindet und mit Marmor und Kassettendecken, schönen Leuchtern und edlen Hölzern ausgestaltet ist.

Mount Vernon ist ein sehr schöner, atmosphärisch dichter alter Stadtteil.

Charmante Häuser mit ein paar Treppenstufen zur Eingangstür geben dir wie in Philadelphia (siehe Podcastfolge 118) eher das Gefühl, in alten Londoner Stadtteilen unterwegs zu sein. Eine riesige Wolkenkratzer-Skyline findest du hier nicht!

Es lohnt sich schon allein optisch, durch dieses historische, aber vielleicht gerade deshalb angesagte, urbane Viertel zu schlendern und Fotos zu machen. Viele Kirchen mit verschnörkelten Fassaden im europäischen Stil warten auf deine Kamera!

Außerdem findest du hier die Wohnhäuser mit den typischen Feuerleitern an den Außenfassaden.

Auch die Museumsszene ist am Mount Vernon prominent vertreten.

Auf dem Hügel von Mount Vernon steht die Statue mit George Washington an der Spitze, dessen Leben auf dem gleichnamigen Gut in Virginia 1799 endete.

Dieses Bild könnte – vielleicht mal abgesehen von den Ampeln – auch in Paris, Reims oder Bordeaux aufgenommen worden sein.

Dazu passt das Reiterdenkmal vor der Statue von George Washington: Marquis de Lafayette, ein französischer Aristokrat und Militäroffizier, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte und in mehreren Schlachten amerikanische Truppen befehligte. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich war er eine Schlüsselfigur in der Französischen Revolution von 1789.

Die Inschrift lautet etwa: „Unsterblich, weil ein selbstvergessener Diener der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Geliebt von allen Amerikanern, weil er keine heiligere Pflicht anerkannte, als für die Freiheit seiner Mitmenschen zu kämpfen“. Damals und lange waren diese Werte wohl für die allermeisten Amerikaner und auch ihrer Präsidenten ein hohes Gut.

Eines der kulturellen Highlights der Stadt sind für uns die Peabody Institute und die Peabody Library, heute Abteilungen der John Hopkins Universität.

Die aus dem Jahr 1878 stammende, sechsgeschossige Bibliothek ist nicht nur allein von den Ausmaßen, sondern auch atmosphärisch-stilistisch wahnsinnig beeindruckend.

Nicht nur Betina hat leuchtende Augen bekommen in dieser „Kathedrale der Bücher“, wo du in einem unendlichen Fundus Bücher finden und in den Nischen die ausgesuchten Werke studieren kannst.

George Peabody war ein Geschäftsmann, der zu sehr viel Geld gekommen ist. Weil er aber auch ein ausgewiesener Philanthrop war, wollte er der Gesellschaft, die ihm seinen Wohlstand ermöglicht hat, richtig etwas zurückgeben. Deshalb gründete er sein Institut & Bibliothek als Möglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger, ihren intellektuellen und künstlerischen Horizont erweitern zu können. Sein Herzensanliegen war es, die besten Werke der Zeit in allen Disziplinen öffentlich, frei und kostenlos allen Menschen zur Verfügung zu stellen, um breite Allgemeinbildung zu fördern. Damals konnten ansonsten üblicherweise nur Betuchte dieses Wissen in ausschließlich privat zugänglichen Bibliotheken anzapfen. 

Das ist ein lobenswerter Ansatz im Gegensatz zum heutigen Mäzenatentum, dass mit privat finanzierten Einrichtungen oft eher darauf abzielt, mit ökonomisch orientierten Angeboten eigene wirtschaftliche oder politische Interessen zu verfolgen (jedenfalls in Deutschland). Viel sinnvoller wäre es, wenn heutige Finanziers uneigennützig die gesellschaftspolitisch viel wichtigeren, geisteswissenschaftliche Fächer unterstützen würden!

Achtung, digital natives: Das ist ein analoges Recherchesystem! In einem solchen, bibliothekarischen Verzeichnis muss(te) noch proaktiv und selbstbestimmt gesucht werden, statt Suchbegriffe in Google einzugeben und sich dem von Algorithmen aufoktroyieren Ergebnissen zu unterwerfen (so, das war für heute der kulturkritische Kommentar 😉). Auch wenn es zusätzlich schon Microfiches gab, war dies auch noch Alltag meiner wissenschaftlichen Ausbildung, leider atmosphärisch nicht so schön wie in Baltimore …

Heute kann man natürlich beide Welten kombinieren 😊

Aber auch der Genuss kommt in der breit aufgestellten Wissenssammlung offenkundig nicht zu kurz!

Grünanlagen, wie hier in dem kleinen Park vor der Peabody Library, sind nicht nur gepflegt und sauber, sondern werden auch von den Menschen genutzt.

Im Jahr 1913 setzten sich in diesem Viertel die Sufragetten massiv für das Frauenwahlrecht ein. Bürgertum definiert sich eben über individuelle Menschenrechte: Liberté, Égalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!).

Das ist aber auch ein Beleg dafür, wie wichtig Bildung für emanzipatorische Bürger- und Freiheitsrechte und unsere Demokratie ist. Es gilt: Darauf aufpassen!

Passend zur progressiven Frauenbewegung in Baltimore übernahm Nancy D’Alesandro Pelosi am 3. Januar 2007 als erste Frau in der Geschichte der USA als Sprecherin die Führung des Repräsentantenhauses und ist auch aktuell als solche die mächtige Gegenspielerin des derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump.

Nancy D’Alesandro Pelosi ist die Tochter des früheren Bürgermeisters von Baltimore, Thomas D’Alesandro (im Bild links 😊). Dieser war ein Unterstützer des New Deal, einer Serie von Wirtschafts- und Sozialreformen in den 30er Jahren, die der demokratische US-Präsident Franklin Delano Roosevelt als richtige Antwort auf die Weltwirtschaftskrise durchgesetzt hatte. Ihre erste „Democratic National Convention“ besuchte Nancy Pelosi mit zwölf Jahren, bei der Amtseinführung John F. Kennedys 1961 war sie Gast beim Abendball.

Weitere berühmte Personen der Stadt sind übrigens Edgar Allan Poe, der hier die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat (Wohnhaus und Grab kannst du besichtigen – wir haben es nicht geschafft), der Schriftsteller Tom Clancy, der Musiker Frank Zappa und Michael Phelps, der als erfolgreichster Olympionike aller Zeiten gilt.

Das hätte eine interessante politische Diskussion werden können…

Mit der witzigsten Taxifahrt, die wir je erlebt haben, sind wir im Brewers Art gelandet, einem Restaurant mit Hausbrauerei und Wohlfühl-Atmosphäre in jeder Hinsicht, das von außen überhaupt keinen Hinweis auf die Schönheit der Innenräume liefert.

Im Eingangs- und Barbereich begrüßen dich schon stilvolle Kronleuchter und Stuckelemente an der Decke. Ausdrucksstarke Bilder runden das Interieur ab.

Dunkles Holz und Stoffverzierungen, Rundbögen und Terracotta-Farben, ein wenig Bibliotheks-Atmosphäre und eine gepflegte Tischkultur zaubern ruck-zuck eine warme Wohlfühl-Atmosphäre.

Im Brewers Art bekommst du neben Fremdprodukten zuerst mal eines: Richtig geile, hauseigene Biere! 

Schon das „Birdhouse Belgian Pale Ale mit 5% ist sehr ausgewogen und mild, mit seinen dezenten Zitrus-Noten und einem schlanken Körper sehr erfrischend. 

Das „Yellow submarin“ aus 4 Getreidesorten mit 4% ist zwar alkoholisch leicht und ein echter Zischer. Das Getreidearoma beginnt dezent und entwickelt sich nach hinten raus sehr intensiv.

Das „Chuggernaut“ ist ein Hoppy Kölsch style Ale. Der erste Eindruck hat da gar nichts mit Kölsch zu tun, aber dann entwickelt es sich: Viel intensiver als deutsche Kölsch-Biere lässt der Chuggernaut diese ziemlich „Alt“ aussehen (Achtung: Schenkelklopfer zwischen Düsseldorfern und Kölnern – nix für ungut, wir sagen ja gar nicht, auf wessen Kosten eigentlich 😉)

Der Name des Bieres hat mich beim Einsprechen der Podcastfolge zunächst nur mit unscharfen Konturen spontan an einen Film erinnert, aber die Recherche hat die Assoziationen bestätigt: Der Streifen heißt tatsächlich „18 Stunden bis zur Ewigkeit“ (Kinostart 1975) – sieben Bomben an Bord, und die Zeitzünder ticken – Richard Harris und Omar Sharif kämpfen in diesem Thriller auf hoher See gegen einen Erpresser. Die Verbindung des Biernamens ist wohl eher bei einer Rockband zu suchen.

Einfach nur hinsetzen und genießen ist nicht für uns: Zuerst kommt die Journalistenpflicht!

Unsere Vorspeise waren gegrillte und mit Semmelbröseln frittierte Artischockenherzen mit Harissa-Aioli und sauer eingelegtem Sellerie. Schon mal eine akzentuierte Aussage der Küche!

Als Hauptgang hatten wir uns für einen Klassiker entschieden, den „Creekstone Fram Black Angus Cheeseburger“. Das qualitativ erstklassige Burger-Fleisch kam medium-rare mit tollen Grillaromen und einer Senfsauce mit extra Senfkörnern. Der „addierte“ Speck war perfekt: Leicht kross mit schönen Röstaromen und keineswegs mehr labberig, aber auch nicht durchgekohlt. Respekt!!! Die handgeschnittenen Pommes mit einer Aioli Sauce und Rosmarin haben einen Klassiker in wirklich super Qualität bestens abgerundet.

Das Beazly – meine Aussprache im Podcast hat nix mit dessen 7,25 Vol.-% zu tun, es ist ein schwieriges, nicht wirklich geläufiges Wort 😊 – ist richtig üppig und fett in den Aromen und mit einem trotzdem trockenen Finish zeigt das Bier überhaupt nicht die häufige Süße der deutschen Bockbiere! Es ist vielmehr straight und clean und offeriert sekundäre Noten von Orangenzesten, die gut in einen cremigen und malzigen Körper eingepackt sind.

Das Brewers Art hat uns in jeder Hinsicht wirklich begeistert, ob Küche, Ambiente oder Getränke. Die Biere waren definitiv mit die besten, die wir in vier Wochen USA verkostet haben – und glaub uns, das waren viele! Du wirst noch viel darüber hören und lesen können.

Außerdem empfehlen wir unbedingt den Besuch in einem politisch inspirierten Restaurant, in dem uns ein Engel bedient hat und wo wir den Begriff Soul Food zum ersten Mal so richtig verstanden haben!

Von unserer Mount-Vernon-Exkursion Richtung Little Italy laufend, sind wir per Zufall (und zum Glück) bei diesem absoluten Must-have-seen and -eat gelandet: Ida B´s Table!

Ich hatte darüber schon gelesen und fand das Restaurant auch sehr spannend, allerdings hatte ich gar nicht mehr richtig nachgeschaut, wo es ist, um es bewusst anzusteuern.

Wir wollten um diese Zeit eigentlich nur einen Kaffee und etwas Gekühltes trinken, aber Betina war spätestens beim Anblick der Menükarte und der Teller der essenden Gäste geistig schon deutlich weiter 😊 Später hat sie mir dann doch noch verraten, dass sie schon beim Betreten des Restaurants “geistig weiter” war. 😅

Schon die Begrüßung am Empfang war sehr nett: Mit einem sympathischen Lächeln mit strahlend weißen Zähnen wurden wir begrüßt, unser Tisch eingecheckt und wir für ein paar Minuten in den Wartebereich geleitet.

Das Restaurant ist großzügig konzipiert und hat einen gewissen Fabrik-Flair mit offen liegender Gebäudetechnik an der Decke. Holzoptik und Beleuchtung bilden einen warmen Kontrapunkt dazu.

Im Nebenraum kannst du dir zum einen Bücher über Ida B. Wells anschauen, während du gemütlich auf deinen Tisch wartest. Ida B. Wells wurde 1862, sechs Monate vor der Emanzipationserklärung, als Sklavin in Mississippi geboren. Mit nur 16 Jahren nahm Wells eine Stelle als Lehrerin in Memphis an, um ihre fünf jüngeren Geschwister zu unterstützen. Als mutige Journalistin kämpfte sie gegen Lynchjustiz an Schwarzen, war Frauenrechtlerin und Bürgerrechtspionierin. Die Forderung nach Organisation und Aktion stand im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Außerdem findest du einige Bücher über die Kochkunst der schwarzen, afro-amerikanischen Bürgerinnen und Bürger, bei deren Durchblättern uns schon das Wasser im Mund zusammenlief. Interessant ist übrigens ein Werk, dass über die vielen schwarzen Küchengötter erzählt. Diese Köchinnen und Köche haben mit entsprechendem Soul Food erst für gute Stimmung bei den Präsidenten im Weißen Haus und offenbar in der Folge dann für konstruktive Politik gesorgt. An diesen Maßstäben gemessen, muss derzeit (Sommer 2019) also eine ziemliche Gurkentruppe in der Küche des Weißen Hauses am Werk sein…

Viel Wert wird auf lokale Produkte im Sinne von Farm to table gelegt. Der Tafel kannst du entnehmen, von welchen Produzenten die Frischware kommt, die für dich in der Soul Food Werkstatt veredelt wird.

Wir haben uns himmlisch aufgehoben gefühlt, als uns „unsere“ Bedienung mit den Worten „Ich heiße Angel und ich umsorge euch heute“ mit einem wunderbaren Strahlen im Gesicht charmant begrüßte!

Halb zog uns „Angel“, halb sanken wir hin: Trotz eines nur leichten Hungergefühls sind wir den Empfehlungen unserer supersympathischen Bedienung gefolgt und haben Hühnchen in verschiedenen Marinaden bestellt.

Ich habe die leicht scharfe Variante gewählt, die eine außergewöhnliche Aromenvielfalt mitbrachte. Eine gänzlich knusprige Panade, eine super krosse Haut, die beim Reinbeißen richtig krachte, aber das Fleisch innen ganz zart: Das war Südstaaten pur, Cajun Style oder was auch immer – Bombe! Ein „Würfel“ Mac & Cheese war dabei und richtig frischer Grünkohl, der nicht nur bestens schmeckte, sondern dessen leichte Bittere angenehm zur Verdauung angeregt hat.

Die Lemonade war mir persönlich einen Tick zu sauer, aber frisch, hausgemacht und wirklich gut. (Burkhard ist nicht nur Warmduscher sondern auch Zuckerjunkie bei Limonaden und Desserts 😀)

Tina´s Variante des Soul Food Hähnchens war etwas weniger spicy, hatte dafür handgeschnittene Pommes frites an Bord und war genauso lecker.

Obwohl wir ja eigentlich gar keinen Hunger hatten, sind wir für dich noch unserer investigativen Pflicht nachgekommen und haben als Dessert einmal „to share“ (zum Teilen mit zweimal Besteck angeliefert) den Pfirsichkuchen mit Pfirsichsauce probiert. Buttrig und üppig, aber geschmacklich echt gut!

Ida B. Wells-Barnett starb 1931 und hinterließ im Kampf gegen die Ungerechtigkeit in Amerika als schwarze Journalisten und Menschenrechtlerin gegen Lynchjustiz ein Erbe von Mut und Hartnäckigkeit.

Berührend und beeindruckend ist ihr Wahlspruch, der auf der Wand zitiert ist und der sinngemäß heißt: „Der Weg, Unrecht in Recht zu verwandeln, besteht darin, das Licht der Wahrheit auf das Unrecht zu richten“. 

Im Gespräch mit Angel über Kulinaria in Baltmore und Blue Crabs im Besonderen hat auch sie bekräftigt, dass Mo´s Seafood eine gute Adresse ist. Ihre besondere Empfehlung für diesen Spezialitäten-Klassiker ist das Koko´s, „Baltimore’s Favorite Neighborhood Pub“, etwas außerhalb vom Zentrum, den wir leider nicht mehr selbst testen konnten, aber hier gerne an dich weitergeben.

Sehr gut finden wir auch diese Aussage des Restaurants: „Unsere Mitarbeiter sind das Rückgrat des Ida B.s-table. Wir erkennen das Potenzial unserer Mitarbeiter und respektieren sie für ihre täglichen Beiträge. Deshalb garantieren wir allen Mitarbeitern einen Stundenlohn von fünfzehn Dollar und bieten jedem Mitarbeiter alle Leistungen. Wir wissen, dass Ida B’s Table ohne ihre harte Arbeit und ihr Engagement nicht der Erfolg wäre, der er ist.“ 

„Fight for fifteen“ ist eine amerikanische gewerkschaftspolitische Bewegung vor allem in der Fast-Food-Gastronomie, die sich dafür einsetzt, dass der US-weit geltende Mindestlohn auf 15 Dollar pro Stunde angehoben wird. Dieser wurde 2009 auf 7,25 USD pro Stunde festgelegt. Ziel ist, für die stressigen Arbeitsbedingungen in vielen Dienstleistungsberufen wenigstens einen Lohn zu bekommen, von dem man ohne staatliche Unterstützung leben kann. Schön, dass dieses Restaurant seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend wertschätzt!

Wenn du in Baltimore bist, dann schreib einen Besuch bei Ida B.s-table in dein Pflichtenheft! Du fühlst dich dort so gut wie beim Hören des Manhattan-Transfer-Klassikers „Soul food to go“ aus der zweiten 80er-Hälfte, der mir beim Schreiben dieser Zeilen in den Sinn kam…

Ein weiterer Tipp ohne Gewähr ist wohl das „La Cuchara“, welches wir leider auch nicht mehr ausprobieren konnten. Es bringt baskische Küche an die Chesapeake Bay. Ohnehin hat uns Baltimore ein wenig an Bilbao erinnert: Auch diese Stadt im spanischen Baskenland (🎧hör unsere Podcastepisode 086 und 087!) hat sich von einem einstigen Hafen- und Industrieloch in eine schöne Perle verwandelt.

Unser Resümée für Baltimore: Die „Charm City“ sollte bei einem Trip an die Ostküste der USA auf jeden Fall auf der Reiseroute stehen!

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