Txakoli und Küstenpracht – Von Getaria nach Bermeo

Heute zeigen wir dir prächtigen Panoramen entlang der baskischen Küste! Von Zarautz aus haben wir die Küstenstraße N-634 in Richtung Westen genommen und sind bis nach Bermeo gefahren.

Es gibt immer mal wieder Haltebuchten, von denen aus du die eindrucksvollen Ausblicke fotografieren kannst. Hier der Blick zurück auf Zarautz.

Nicht nur, nachdem wir Getaria und seinen „Maus-Felsen“ so schön von Zarautz haben sehen können, war dies der erste Stopp unserer Tagestour. An der Straße herunter zum Hafen oder eben da, wo es heute ein paar Fischerkneipen gibt, kannst du parken und kommst über eine, an die alte mächtige Stadtmauer „angeflanschte“ Treppe in den oberen Teil des Ortes. Hier der Blick über die flache, schmale Landzunge zum „Ratón de Getaria“.

Blick über den Bootshafen von Getaria Richtung Zarautz im wunderschönen Sonnenlicht eines Frühsommervormittags.

Immerhin hatten wir da schon 3 (drei!) ganze Kilometer hinter uns gebracht und noch nicht mal einen Kaffee genommen. Also haben wir uns auf den Weg hoch in das bezaubernde Fischerdorf gemacht und dabei auch typische Instrumente der baskischen Küche entdeckt: Es gibt hier einige Außengrills an Kneipen oder Restaurants, wo Fisch und Fleisch lecker auf Holzkohlen gegart wird.

An der Nagusia Kalea, der „Hauptstraße“ (eher ein gemütliches Gässchen 😊) haben uns die Pintxos der Bar Politena – zum Beispiel Tortilla de Bacalau oder Pimentos verde mit Thunfischcreme -zu einem späten-Fisch-Frühstück verführt.

Gestärkt für die Weiterfahrt und unsere anvisierte Txakoli-Probe sind wir die Nagusia Kalea wieder Richtung Hafen heruntergeschlendert. Hier führt die Gasse in einem Tunnel unter der Kirche durch!

Wenn wir an interessanten Kirchen vorbeikommen, schauen wir auch gerne mal kurz hinein. Von der in Getaria wussten wir aus der Vorab-Recherche, dass sie eine Besonderheit hat; nämlich einen schrägen Boden. In der Tat ein besonderes Raumgefühl! Das hier der Seefahrer besonders gedacht wird, ist manifest.

Das Restaurant Kaia Kaipe neben der Kirche hatte schon beim Hochlaufen unser Interesse geweckt. Auf dem Rückweg haben wir ein wenig die Speisekarte studiert und waren etwas frustriert, dass ein Essen hier aufgrund unseres Zeitplanes auf dieser Tour leider nicht in Frage kam. Das diese Adresse eine gute Empfehlung ist, wurde uns später in einem Weingut im Rioja bestätigt. Allein die Weinkarte umfasst 87 (siebenundachtzig) Seiten! Die Küche ist auch Michelin empfohlen (kein Stern, aber Teller). Wir geben dies deshalb unbedenklich als nicht selbst getestete „Blind-Empfehlung“ weiter.

Getaria ist eine der drei Herkunftsbezeichnungen für den Txakoli, die vor etwas über 20 Jahren begründet wurden. Wir sind erst einmal hoch in die Hügel über der Stadt und mitten in die Weinberge gefahren. 

In diesem Weingarten erfahren die Txakoli-Trauben – hier die weiße Hondarrabi Zuri -eine interessante Reberziehung, nämlich mit Drahtgespann über den Rebstöcken. Das bildet ein schattiges Dach, welches wir in ähnlicher Form aus Südtirol und dem Trentino kennen.

Weingut „Akarregui Txiki“

Nachdem wir bei einem weiter höher gelegenen Weingut nur verschlossene Türen und einen verdammt mürrisch wirkenden Hofhund angetroffen haben, hat uns unser Instinkt wieder mal richtig geführt, nämlich zum Weingut „Akarregui Txiki“.

Die Chefin und die englisch sprechende angehende Schwiegertochter des Hauses haben uns gerne auch ohne Voranmeldung und trotz knapper Zeit einen kurzen Einblick und eine kleine Verkostung gewährt. Akarregui Txiki und Lasalde ist eine Kooperation zweier Familien, gemeinsam 150.000 Liter p.a. produzieren. Die kultivierten Rebsorten sind Hondarrabi Zuri (weiß) und Hondarrabi beltza (rot).

Hör unsere Live-Txakoli-Verkostung in unserer Podcastfolge 084! Typisch für diese Weine, ist auch dieser ein leichter Weißer mit 11 Vol-%. Die Meernähe macht den Wein besonders, denn milde, feuchte Brisen vom kantabrischen Meer umsäuseln die Reben. Das erzeugt frische, säuerliche Noten und einen leicht salzigen Touch. Txakoli passt deshalb perfekt zu Fisch und zu Pinxtos, vor allem zur Kultur in San Sebastián, von einer zur nächsten Kneipe zu ziehen und immer wieder neue Pintxos zu probieren, die natürlich jedes Mal einen leichten Begleiter brauchen!

Den Plastikkorken kannst du wieder aufsetzen und aus der so (fast) verschlossenen Flasche trotzdem entspannt eingießen – ein netter, praktischer Gimmick 😊

Für die Panorama-Küstenstraße solltest du dir wirklich Zeit und Muße nehmen! Nicht nur wegen der vielen atemberaubenden Blicke, die du immer wieder in Ruhe genießen solltest, sondern auch wegen der vielen Kurven der Strecke, die aber problemlos zu fahren ist.

Von Getaria Richtung Westen solltest du in Zumaia Halt machen. Hier ist der Blick auf den Strand und den Hafen / die Zufahrt zum Hafen. An der Straße entlang der Hafenzufahrt kannst du auch parken.

Eine besonders spektakuläre Ausprägung einer geologischen Sensation an der baskischen Küste kannst du nämlich von der Straße gar nicht sehen. Folge den Wegweisern zum Badestrand und dem Flysch! Erst einmal erwartet dich der Blick über einen breiten Badestrand mit imposanten Felsüberhangen über dem Wasser.

Wenn du dann rechts den Weg zum Strand hinunter gehst, erblickst du das Flysch. Etymologisch spannend: Hat uns das Baskenland dort immer wieder mal ein wenig an die Schweiz erinnert, scheint auch diese Bezeichnung aus dem Schweizerdeutsch zu kommen…uns als Feinschmecker erinnert diese geologisch wirklich außergewöhnliche Felsformation an ein senkrecht aufgestelltes „Mille-Feuille“ 😉

Die dünnen Schichten, die bei Flut am Strand unter Wasser liegen, ragen weit in die Höhe. An dieser Küste gilt oben: Mind your steps!

Die N-634 führt von Zumaia aus hoch auf die Steilküste. Vor Deba ein Parkplatz mit besonders schönen Weiten fürs Auge und eine Legende fürs Gemüt.

Von Deba aus (hier der Badestrand und der Hafen) ging es weiter Richtung Ondarroa. 

Die Strecke führt dich in schattige Wälder hoch über dem Meer, auf das du immer wieder mal einen Blick zwischen den Bäumen erhaschen kannst. Darunter riesige Farne, und wir hatten im Cabrio die intensiven ätherischen Aromen der Eukalyptus- und Kiefernbäume in der Nase.

Der nächste Hafen- und Badeort ist Lekeitio.

Wir wollten eigentlich dieses durchaus nette Örtchen nur durchfahren. Eine Baustelle hat uns allerdings den direkten, vom Navi empfohlenen Weg Richtung Bermeo durchkreuzt und wir mussten einen Umweg nehmen. Dieser führte uns dann immer weiter aus dem Ort hinaus, bis wir einen Hinweis auf einen Leuchtturm entdeckten. Da wir eh schon so weit draußen waren, sind wir dem Hinweis bis zum Ziel gefolgt.

Dieser Platz bleibt uns als einer der chilligsten Orte und Momente unserer Baskenland-Tour in Herz und Hirn.

Fast erschlagen von dem gigantischen Panorama, das sich uns hier dargeboten hat, waren wir den genussfreudigen Basken äußerst dankbar, dass sie hier eine kleine Bar installiert haben.

Fürs erste haben wir uns einen alkoholfreien Mosto bestellt, um bei einer Erfrischung den Ausblick genießen zu können

Das stylische Geländer könnte zwar entfernt auch an Alcatraz erinnern 😊 

Wir haben diesen Platz am „Faro“ aber als sehr beruhigend und energiespendend wahrgenommen. Absolute Ruhe wird hier durch Windgeräusche inszeniert, die sich mit dem Kreischen der Möwen zu einem entspannenden Soundtrack verbinden.

Hier einfach aufs Meer zu schauen und NICHTS zu tun, war sowas von angenehm, dass wir spontan in die Verlängerung gegangen sind und zeitlich passend den klassischen mediterranen Aperitif – Weißwein, Oliven, Chips – nachgelegt haben. Jetzt war auch der Zeitpunkt, in Bermeo ein Zimmer für die Nacht zu finden, denn bis Bilbao wollten wir nicht mehr durchfahren.

In dem einfachen, aber sehr ordentlichen Hotel Tsaraka etwas oberhalb der Innenstadt von Bermeo haben wir nach der ganzen Tagesstrecke von „nur“ ca. 80 km übernachtet. Diese Zeit solltest du dir aber auch wirklich nehmen, wenn du einen wirklich entschleunigenden Tag erleben willst. 

Fürs Abendessen hatten wir uns das Fisch-Restaurant Jokin direkt am Jachthafen ausgesucht. Leider war dieses geschlossen, und so wie es scheint, auch endgültig. Also haben wir unseren Joker gezogen und den hilfsbereiten Hotelbesitzer gefragt, wo er denn hingeht, wenn er gut essen will. Seine Empfehlung: Die Jatetxea Beitxi in der Innenstadt. Er hat dann für uns angerufen und persönlich einen Tisch reserviert. Der Knaller war, dass wir die einzigen Gäste im Restaurant an diesem Abend waren. Die Bar vornedran hatte zwar ein paar Gäste, aber die Küche wurde extra für uns aufgemacht. 

Die Chefin war anfangs etwas reserviert. Nachdem wir ein 3-Gänge-Menü bestellt hatten und sowohl zu der Entenkeule als auch zum Rindersteak gigantisch gute Pimientos verde bekommen und diese gebührend gelobt haben, erschien ein Strahlen auf ihrem Gesicht. Die Pimientos – nicht aus Padron! -hatte sie am Morgen aus dem eigenen Garten frisch geerntet, und wir durften sie perfekt gegrillt genießen!

Nach einem amtlichen Flan und einer zunehmend intensiveren und netten Konversation hat uns die Chefin sogar noch einen Verdauer aufs Haus spendiert.

Wenn du in Bermeo Halt machst, dann ist das Txakara eine ordentliche Adresse zum Übernachten und die Jatetxea Beitxi eine sehr gute Adresse für authentisch bodenständige, baskische Küche ohne Chichi.

Abgesehen von diesen beiden guten Erfahrungen und der Absackerkneipe Izaro Irish Pub am Hafen haben wir den Ort allerdings nicht als besonders besuchenswert empfunden. Bermeo ist der größte Fischereihafen an der baskischen Küste und lebt von der Fischkonservenindustrie. Das ist nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für die Verbraucher wichtig. Der Ort ist aber teilweise auch etwas schmuddelig.

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